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Unabhängige Sozialdemokratische Partei Deutschlands

Die Unabhängige Sozialdemokratische Partei Deutschlands (USPD) ging aus der Gruppe von SPD-Abgeordneten im Reichstag hervor, die sich seit dem 4. August 1914 immer offener gegen die Unterstützung des 1. Weltkriegs durch die SPD aussprachen. Diese Gruppe bestand aus zunächst 14 SPD-Reichtagsabgeordneten, die in der Fraktion gegen die Kriegskredite gestimmt, sich in der entscheidenden Abstimmung aber der Fraktionsdisziplin gebeugt hatten.

Karl Liebknecht verweigerte im Dezember 1914 als zunächst einziger Reichtagsabgeordneter die Zustimmung zu weiteren Kriegskrediten. Nachdem ihm im Dezember 1915 19 SPD-Abgeordnete folgten und deren erneute Verlängerung nicht mehr mittrugen, entschied die SPD-Führung um Friedrich Ebert und Philipp Scheidemann ihren Ausschluss aus Fraktion und Partei. Daraufhin organisierten diese mit anderen SPD-Gruppen aus dem ganzen Reich einen Parteitag in Gotha vom 6.-8. April 1917. Dort wurde die Gründung der USPD als eigene Partei neben der SPD beschlossen. Dadurch wurde der kriegsbejahende Flügel zur "Mehrheits"-SPD (MSPD) mit Friedrich Ebert als nun alleinigem Parteivorsitzenden.

Am Gründungsparteitag der USPD nahmen Delegierte aus 91 sozialdemokratischen Wahlkreisorganisationen und 15 Reichstagsabgeordnete teil. Zum Vorsitzenden wurden Wilhelm Dittmann und Hugo Haase gewählt, der bis Januar 1917 neben Ebert die SPD-Fraktion geführt hatte und dann zurückgetreten war. Die USPD bestand aus heterogenen Mitgliedern: linken SPD-Abweichlern um Haase oder Kurt Eisner, marxistischen Programm-Theoretikern wie Karl Kautsky, aber auch "rechten", reformorientierten Revisionisten wie Eduard Bernstein, die nur die Kriegsbeteiligung ablehnten, aber keine Revolution anstrebten.

Hinzu kam die kleine, aber sehr aktive, bereits seit 1915 bestehende "Gruppe Internationale" um Rosa Luxemburg, Karl Liebknecht, Leo Jogiches, Julian Machlewski, Franz Mehring, Wilhelm Pieck, August Thalheimer und Clara Zetkin, die die SPD-Politik des "Burgfriedens" von Beginn an entschieden ablehnten und an den Parteibeschlüssen zur internationalen Revolution vor 1914 festhielten. Diese Gruppe gab eine eigene Zeitung heraus, die "Spartakusbriefe". Ab 1916 nannte sie sich "Spartakusgruppe", seit November 1918 schließlich "Spartakusbund". Dieser lehnte die Spaltung der SPD eigentlich ab und behielt in der USPD seinen eigenen Gruppenstatus als äußerster linker Parteiflügel. Nach dem Krieg blieb er eine parteiunabhängige revolutionäre Organisation, die in der Novemberrevolution eine sozialistische Räterepublik anstrebte, getragen und aufgebaut von direkt gewählten Arbeiterräten nach dem Vorbild der jungen Sowjetunion. Am 1. Januar 1919 vereinte sich der Spartakusbund mit anderen linksrevolutionären Gruppen zur Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD).

Hauptziel der USPD war es, im Verbund mit Spartakisten und revolutionären Arbeitern die Fortsetzung des Krieges zu verhindern bzw. seine rasche Beendigung zu erzwingen. Die USPD-Fraktion im Reichstag musste jedoch darauf achten, nicht verboten zu werden, und behielt deshalb einen gemäßigten innenpolitischen Kurs bei. So lehnte sie ebenso wie die MSPD "wilde" Arbeiterstreiks zunächst ab, bis im 3. Kriegsjahr mehr und mehr Arbeiterführer ("Revolutionäre Obleute") an Partei- und Gewerkschaftsstrukturen vorbei unabhängige Protestaktionen organisierten. Erst nach der von Lenin geführten russischen Oktoberrevolution gewann die USPD an Einfluss und hatte zeitweise bis zu 500.000 Mitglieder, fast ebensoviel wie die MSPD.

In der Novemberrevolution von 1918 spielte die USPD eine wichtige Rolle. Ihre Führer verabredeten mit Ebert eine gemeinsame Regierungsbildung, noch bevor sich aus freien Betriebs- und Soldatenwahlen am 10. November ein Berliner Räteparlament bildete. Dort wurde ein sechsköpfiger Rat der Volksbeauftragten gewählt, in den SPD und USPD je drei Vertreter entsandten: Für die USPD waren es Haase, Dittmann und Emil Barth, der zugleich die "Revolutionären Obleute" Berlins vertrat. Nachdem Ebert die USPD-Vertreter mehrfach übergangen und eindeutig gegen die Revolution gerichtete Militäraktionen initiert hatte, traten sie am 29. Dezember 1918 bereits wieder aus der Übergangsregierung aus.

Im folgenden Januaraufstand (5.-12.1.1919) gewann die USPD kurzfristig eine Massenbasis durch die Eigenaktivität der Berliner Arbeiterschaft. Diese besetzten das Berliner Zeitungsviertel und riefen den Generalstreik aus, dem etwa 500.000 Menschen folgten. Im Führungsgremium bejahten Haase und Liebknecht nun eine Bewaffnung der Berliner Arbeiter, vor der Rosa Luxemburg zuvor entschieden gewarnt hatte. Versuche, Teile des revolutionsfreundlichen Militärs für einen bewaffneten Aufstand zu gewinnen, schlugen fehl.

Am 9. Januar setzte Ebert nach Abbruch ergebnisloser Verhandlungen zunächst reguläres kaiserliches Militär in Marsch. Bei den folgenden Häuserkämpfen erlitten die Besetzer schwere Verluste und gaben auf. Hunderte wurden dennoch an Ort und Stelle erschossen. Am 12. Januar zogen schließlich zusätzlich die schwer bewaffneten Freikorps in die Stadt ein, die seit Anfang Dezember aufgestellt worden waren. Im Gefolge von Mordaufrufen und ausgesetzten Belohnungen wurden führende Mitglieder sowohl der Spartakisten als auch der USPD ermordet: darunter Rosa Luxemburg, Karl Liebknecht, Leo Jogiches, Kurt Eisner.

Bei den folgenden Reichstagswahlen am 19. Januar 1919 erreichte die USPD nur 7,6% der Stimmen. Die SPD überging sie daraufhin bei der Regierungsbildung. 1920 gelang es den linken Gruppen und Parteien jedoch, mit einem erneuten Generalstreik den Putschversuch der rechten Generäle Kapp und Lüttwitz abzuwehren, die eine Militärdiktatur errichten wollten. Bei den darauf folgenden Reichtagswahlen erreichte die USPD 17,9% der Stimmen, während die SPD auf 21,3% fiel.

Damit schienen sich der USPD neue parlamentarische Einflussmöglichkeiten zu eröffnen. Doch gelang es der SPD erneut, Sozialisierungsbestrebungen in den Hochburgen der Linken zu vereiteln. Daraufhin beschloss eine USPD-Mehrheit, sich der unter Lenin gegründeten 3. Kommunistischen Internationale anzuschließen. An dieser Frage spaltete sich die USPD am 12. Oktober 1920. Ihre Mitgliedschaft erwies sich als zu heterogen. Eine Parteitagsmehrheit entschied sich für den Anschluss an die KPD. Daraufhin schloss sich der rechte Flügel, dem u.a. Eduard Bernstein, Karl Kautsky und Rudolf Hilferding angehörten, 1922 wieder der SPD an. Ihm folgte eine Mehrheit der Mitglieder.

Nur ein kleiner Rest der USPD blieb unter Führung erst von Georg Ledebour, dann ab 1924 von Theodor Liebknecht bestehen, existierte bis 1931 als eigene Splitterpartei weiter und schloss sich dann einer neuen Linksabspaltung von der SPD, der SAP an. Zu dieser gehörte auch der junge Willy Brandt, in dessen politischen Positionen Einiges vom Erbe der USPD spürbar blieb.

Siehe auch

Hugo Haase, Weimarer Republik, Novemberrevolution, Münchner Räterepublik, Kurt Eisner, Rosa Luxemburg, Karl Liebknecht, Kommunistische Partei Deutschlands, Organisierter Kapitalismus



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