Stadt
Definition der Stadt
Je nach Größe, Bedeutung oder Funktion einer Stadt unterscheidet man Kleinstädte, Mittelstädte, Großstädte, Millionenstädte, Weltstädte, Trabantenstädte und Satellitenstädte. (Siehe auch: Liste von Bezeichnungen für große Städte)Diese auf den ersten Blick eindeutige Definition enthält einige Unschärfen wie beispielsweise Größe und Abgegrenztsein, da in den verschiedenen Staaten ganz unterschiedliche rechtliche Definitionen einer Stadt gelten.
Während etwa in Dänemark die Untergrenze der Bevölkerungszahl bei einer städtischen Siedlung bei 200 Einwohnern liegt, sind es in Deutschland und Frankreich 2.000 und in Japan 50.000 Einwohner. Hinzu tritt der historische Stadtbegriff, der sich in Europa aus dem mittelalterlichen Stadtrecht herleitet und als wesentliche Merkmale das Marktrecht, das Recht auf Selbstverwaltung, die Freiheit der Stadtbürger, das Recht auf Besteuerung, der Gerichtsbarkeit, die Aufhebung der Leibeigenschaft, das Zollrecht, das Recht zur Einfriedung und Verteidigung sowie das Münzrecht enthielt. Städte, die das Stadtrecht erhalten haben, werden auch als Titularstädte bezeichnet. In der Schweiz gelten Ortschaften nur dann als Stadt, wenn sie entweder mehr als 10 000 Einwohner haben oder wenn ihnen, was selten ist, im Mittelalter das Stadtrecht verliehen wurde.
Eine der kleinsten Städte überhaupt befindet sich in Niederösterreich im Bezirk Hollabrunn an der Grenze zu Tschechien direkt an der Thaya - die Stadt Hardegg. Hardegg hat mit allen eingemeindeten Orten 2001 eine Einwohnerzahl von 1.490, die Stadt selber hat jedoch nur 78 Einwohner.
In England unterscheidet man zwischen City und Town. Die Großstadt Stockport ist beispielsweise keine City sondern Town, wohingegen die Stadt Sunderland eine City ist. Der Verwaltungsbezirk Greater London ist keine City, aber innerhalb dieser Gebietskörperschaft gibt es die City of London und die City of Westminster. Ein Ort darf erst dann als City bezeichnet werden, wenn die Königin oder der König diese zu einer solchen ernennt. Auch heute noch ist das Überschreiten der Mindesteinwohnerzahl in den meisten Ländern nicht automatisch mit der Erhebung zur Stadt verbunden, sondern es Bedarf eines ausdrücklichen Beschlusses einer höherrangigen Gebietskörperschaft, in Deutschland und Österreich der des Bundeslandes.
Städte weisen daher sowohl historisch als auch regional sehr unterschiedliche Entstehungszusammenhänge und Strukturen auf. So zeigen beispielsweise die gegenwärtigen Großstädte der frühindustrialisiertenen Staaten andere Strukturen und Entwicklungsdynamiken als die sogenannten Megacities der Entwicklungs- und Schwellenländer. Die Entwicklung von Städten folgt dabei oft bestimmten Modellen.
Die Entwicklung der Stadt
Seit den Anfängen städtischer Siedlungsentwicklung (Urbanisierung) vor einigen tausend Jahren sind Grund- und Aufriss der Städte durch eine fortwährende Entwicklung und Veränderung gekennzeichnet. Auch während ein und derselben historischen Epoche lassen sich zwischen unterschiedlichen Kulturräumen Unterschiede in der äußeren Gestalt von Städten sowie ihrer jeweiligen sozialen und funktionalen Struktur ausmachen.Dabei findet das siedlungsbezogene Planungs- und Gestaltungshandeln der Menschen seinen Ausdruck in jeweils spezifischen Grund- und Aufrissformen städtischer Siedlungen, die allerdings zugleich auch die jeweilige technologische Machbarkeit repräsentieren.
Die ältesten im Zuge der urbanen Revolution entstandenen Stadtkulturen sind nachweisbar in:
- Palästina: Jericho ca. 9000 v. Chr.
- Anatolien: Çatal Hüyük ca. 6000 v. Chr.
- Mesopotamien: Uruk-Kultur ca. 3300 v. Chr., Ur ca. 2500-1900 v.Chr., Babylon ca. 1800 v.Chr.
- Ägypten
- Indus-Tiefland
- China
- Mexiko: Olmeken- und Maya-Städte wie Monte Alban und San Lorenzo ab ca. 1500 v. Chr., Teotihuacán ab ca. 1000 v. Chr.
- Peru
Frühgeschichtliche Stadtstaaten
Die mesopotamische Frühgeschichte kannte bereits Stadtstaaten, z.B. Uruk und Ur der Sumerer, über deren Verfassung noch viele Wissenslücken bestehen. Sie sind als "Hydraulische Gesellschaften" anzusprechen und in ihrer Entwicklungen mit frühesten chinesischen, indischen oder mittelamerikanischen Städten vergleichbar.Die Entwicklung der Stadt im Abendland
Die abendländische Stadt hat ihre Wurzeln in der griechisch-römischen Kultur der Antike.Die Stadt in der Antike
Die Kultur der Polis in Griechenland, 800-338 v. Chr., (Sparta, Korinth, Athen) verbreitete sich nach Kleinasien (Milet, Ephesos) und bis zur Krim, nach Magna Graecia = "Großgriechenland", d.h. Sizilien (Syrakus) und Unteritalien (Tarent), ferner nach Südfrankreich (Marseille), nach Nordafrika (Kyrene, Alexandria) und Vorder- und Hochasien (Antiocheia, Kandahar). Neapoleis wurden durch Poleis gegründet, so dass oft eine kultische und politische Bindung zwischen ihnen fortbestand, etwa von Syrakus zur Mutterstadt Korinth (vgl. hier z.B. Timoleon).Vergleichbare Entwicklungen machten auch nichtgriechische (phönizische, etruskische, latinische) Stadtstaaten durch, typische Beispiele dafür sind Karthago, Veii oder Rom.
Im Imperium Romanum entwickelte sich die Römerstadt ab. 200 v.Chr., welche sich von Italien - nach Norditalien, Nordafrika (Tunesien), und Mitteleuropa verbreitete.
Als Blütezeit der antiken Stadt kann man das 1. bis 3. Jahrhundert sehen, viele antike Ruinen datieren aus dieser Zeit. Rom hatte in dieser Epoche eine differenzierte Stadtstruktur mit fast 1.000.000 Einwohner. Römerstädte in Deutschland entstanden vornehmlich an Rhein und Donau: Castra Regina (Regensburg), Augusta Vindelicorum (Augsburg), Colonia Claudia Ara Agrippinensium (Köln), Augusta Treverorum (Trier), Moguntiacum (Mainz), Sorviodurum (Straubing).
In der Schweiz sind folgende Römerstädte nachgewiesen: Augusta Raurica (Kaiseraugst) und Aventicum (Avenches).
Stadtentwicklung im Mittelalter
Mit der Völkerwanderung verfielen die Städte weitgehend, so dass im Mittelalter neue Faktoren zur Verstädterung führten. Die bedeutenden Römerstädte blieben in Mitteleuropa erhalten, wenn auch nicht in der Bausubstanz und blieben als Bischofssitze religiöse und kulturelle Zentren, die die spätrömisch-christliche Tradition fortsetzten und mit Bischofsburgenen (Domburgen), Klöster, Königshöfe, Pfalzen als militärische und wirtschaftliche Stützpunkte der Könige und Herzöge. Dazu kamen einige wenige Neugründungen z.B. Duisburg, Soest und wenige Kaufmannssiedlungen wie Wik und Haithabu.Durch die Kombination der kirchlichen mit der kaufmännisch-bürgerlichen Wurzel entstehen vor und um ca. 1000 die ersten mittelalterlichen Städte. Vom Maas-Schelde-Raum (Gent, Antwerpen) bis ins Rheinland (Köln, Duisburg), Magdeburg entstehen Mutterstädte, später an Weser (Bremen), Elbe (Hamburg, Main (Frankfurt am Main) bis zur Donau (Ulm).
Die Anzahl der Städte in Mitteleuropa bleibt bis ca. 1100 mit einigen Hundert noch sehr gering, der weitaus größte Teil der entstand in den folgenden 250 Jahren, als ab 1120 zahlreiche Gründungsstädte entstehen, meist durch einen Stadtentwurf und einen Gründungsakt. Als älteste Stadt dieses Typus gilt Freiburg im Breisgau, das 1118 gegründet wurde und 1120 ein fortschrittliches Stadtrecht erhielt. Weitere Beispiele für bedeutende Gründungen in dieser Zeit sind Leipzig (1150) und Lübeck (1158).
Viele Städte hatten das Stapelrecht, ein Privileg das Fernhändler zwang, ihre Waren zum Verkauf anzubieten und leiteten die Fernhandelswege durch ihre Stadt. Nach dem Soziologen Max Weber ist die "okzidentale Stadt" primär ein Markt für den Fernhandel.
Die mittelalterliche Stadt
Die rechtliche Stellung der mittelalterlichen Stadt war geprägt von ihrem Status als Freie Reichsstadt oder Fürstenstadt, wobei der genaue Status sehr unterschiedlich sein konnte. Generell hatten die Städte das Bestreben, sich von der Herrschaft der Landesherren, der in ihr residierenden Bischöfe und Burgvögte (vgl. Nürnberg) zu befreien, was ihnen mehr oder weniger erfolgreich gelang. Bei den Gründungsstädten wurden diese Freiheiten, um die ältere Städte oft lange kämpften, bereits im Stadtrecht zur Gründung verankert. Viele Städte wurden durch Handel und Handwerk sehr reich und konnten sich somit lange gegenüber den Territorialherren behaupten, die Städte gerne aus wirtschaftlichen und militärischen Gründen unter ihre Kontrolle bringen wollten. Die mittelalterliche Stadt stand damit in scharfer Konkurrenz zu den weltlichen und geistlichen Territorialherrschaften. In Gebieten mit starker Territorialherrschaft hatten es die Städte schwer, sich zu behaupten, so gab es im bayerischen Stammland mit Regensburg nur eine Reichsstadt, die um ihren Status kämpfen musste, während etwa im territorial zersplitterten Franken und Oberschwaben mächtige Reichsstädte entstanden wie Nürnberg, Rothenburg, Augsburg oder Reutlingen.
Merkmale der mittelalterlichen Stadt:
- äußere Abgrenzung durch Stadtmauer und zugehörigem Stadtgraben, manchmal als Gewässer angelegt,
- kompakte Siedlungsform mit Zentrum, Marktplätzen, Rathaus, Bürgerhäusern, Kirchen,
- politisch oft in Opposition zur landesherrlichen Burg mit Burgkirche bzw. Bischofsbezirk,
- soziale Differenzierung der Stadtbevölkerung in Stadtvierteln
- rechtliche Sonderstellung: Selbstverwaltung und eigene Gerichtsbarkeit, Bürgerrechtsprivileg
- ökonomische Funktion: Markthoheit (vgl. Roland), Fernhandel, Stapelrecht, arbeitsteilige Güterproduktion, Ackerbürger.
Um 1500, am Beginn der Neuzeit bestehen als bedeutende Städte, v.a. die Freien Reichsstädte: Köln mit 40 000 Einwohner, Lübeck, Hamburg, Bremen, Nürnberg, Magdeburg und Braunschweig.
Weitere Stadtgründungstypen
Die mittelalterliche Gründungsstadt ist der weitaus häufigste Typ an Städten in Mitteleuropa. Die Welle der Stadtgründungen verebbte in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts aufgrund der Pestwellen und dem daraus resultierenden Bevölkerungsrückgang. In der Folgezeit wurden nur noch wenige Städte neu gegründet, die einem der folgenden Typen zuzuordnen sind.Bergstadt
Ab dem 12. Jahrhundert und verstärkt im 16. Jahrhundert entstehen Bergstädte aus montanwirtschaftlichen Interessen in den Mittelgebirgen und in den Alpen, insbesondere im Harz, Erzgebirge, Böhmerwald, Schwarzwald, z. B.: Freiberg (Sachsen) (1186), Clausthal-Zellerfeld (1530), Bad Lauterberg (Harz), Annaberg, Schwaz und Freudenstadt.siehe speziell dazu auch: Liste der Bergstädte
Planstadt
Der Stadttyp Planstadt bezeichnet weniger die Funktion der Stadt in ihrem jeweiligem Umfeld, als vielmehr die Art ihres Entstehens. Bei vielen Neugründungen wurde die Gelegenheit genutzt, eine ideale Stadt nach den Vorstellungen der Zeit zu bauen. Mitunter wurde auch die bestehende Bebauung abgerissen und nach neuen Plänen wieder aufgebaut.Beispiele für solche Planstädte sind viele der weiter untengenannten und unter anderem:
Im Prinzip folgt die Planung neuer Stadtteile und Satellitenstädte den gleichen Prinzipien.
Exulantenstadt
Exulantenstädte, gelegentlich auch Exilantenstädte genannt, sind Gründungen durch und/oder für Glaubensflüchtlinge des 16. bis 19. Jahrhunderts. Exulantenstädte bzw. Stadterweiterungen entstanden für- Hugenotten: Berlin, Erlangen, Karlshafen
- Kalvinisten und Mennoniten (Wallonen und Flamen): Altona, Wesel
- Lutheraner (Salzburger): Schlesien, Sachsen (Johanngeorgenstadt)
- Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage ("Mormonen"): Salt Lake City
Festungsstadt
Eine Festungsstadt ist eine Stadt, deren Planung sich der militärischen Funktion als Festung unterordnen musste. Typisch sind die sternförmigen Bastionen, die sich um die Stadt legen. Festungsstädte wurden gegründet im 17. Jahrhundert, als die mittelalterlichen Stadtmauern den weiterentwickelten Kanonen nicht mehr standhalten konnten. Manche mittelalterliche Stadtmauer wurde durch eine derartige Stadtbefestigung ersetzt, was die Stadt nachträglich zur Festungsstadt machte. Ein typischs Beispiel ist Neu-Breisach.Residenzstadt
Residenzstädte des 17. und 18. Jahrhunderts wurden meist nach dem Vorbild Versailles errichtet, so z. B. Karlsruhe (1715) und Ludwigsburg (1718). Häufig wurden bestehende Städte um barocke Residenzviertel mit Schloss erweitert, z. B.: Berlin-Charlottenburg, München-Nymphenburg, Hannover-Herrenhausen oder nach Grundsätzen des Barockstils um- oder neu gestaltet wie Dresden.Das Industriezeitalter
Das Industriezeitalter im 19. und der ersten Hälfte des 20. Jakrhunderts bringt eine Urbanisierung bis hin zur verstädterten Gesellschaft mit sich.In Deutschland werden neue Städte gegründet wie z. B. Bremerhaven 1827, Oberhausen 1861, Ludwigshafen 1863, Wilhelmshaven 1873 und Wolfsburg 1938. Die bestehenden Städte wachsen und verändern sich zu Städteverbundgebieten vor allem in Bergbaugebieten wie dem Ruhrgebiet, in Oberschlesien oder im Saargebiet. Fabrikanlagen und Arbeiterviertel mit Mietskasernen entstehen in der Nähe der Altstädte. Mit den Massenverkehrsmitteln ab ca. 1880 bis 1900 verstärkt sich das Außenwachstum. Dagegen kommen ab ca. 1900 Reformversuche und Bauzonenordnungen. Man versucht eine Auflockerung der strengen, monoton rechteckigen Straßengrundrisse durch mehr Plätze, gewundene Straßenführungen und Durchgrünung. Gleichzeitig beginnen erste Projekte zur Sanierung der mittelalterlichen Stadtkerne. Diese sind in manchen Städten völlig überbaut, überbevölkert und hygienisch untragbar geworden. Durch Abbruch ganzer Quartiere und Neuaufbau, z. B. in Stuttgart oder Durchbruch von neuen Straßen, z. B. in Straßburg oder Hamburg versuchte man, den Mangel zu beheben. Die Gartenstadtbewegung zu beginn des 20. Jahrhunderts war ein noch weitergehender Reformansatz auf die Probleme der indutrialisierten Stadt, der allerdings durch den ersten Weltkrieg nur sehr beschränkt umgesetzt wurde.
1918 bis 1933 - neuer Städtebau
Die Weimarer Republik entwickelte ähnlich wie die Republik Österreich neue Konzepte des Sozialer Wohnungsbau sozialen Wohnungsbaus, insbesondere in Berlin und Hamburg. Kommunaler bzw. genossenschaftlicher Wohnungsbau in halboffener und offener Bauweise wurde gefördert, z.B. die Zeilenbauweise; der Funktionale Umbau der Stadt wurde v.a. vom Bauhaus geprägt.1933 bis 1945 - Nationalsozialistische Stadtideologie
Die nationalsozialistische Stadtideologie war gegen großstädtische Entartung und für bodenverbundene Kleinsiedlung, hatte Pläne zu einer Re-Agrarisierung, und zur Auflösung der Städte. Andererseits war eine monumentale Umgestaltung der Städte geplant. In vielen Großstädten erfolgen weitreichende Eingemeindungen des Umlandes oder zwangsweise Zusammenschlüsse von Städten wie etwa Sulzbach-Rosenberg oder Garmisch-Partenkirchen gegen den Willen der Bevölkerung. Das Großhamburggesetz von 1938 geht noch stark auf Planungen der Weimarer Republik zurück. 1938 wird Wolfsburg als Arbeiterstadt für den Volkswagen-Bau gegründet. Größere Pläne wurden durch den Zweiten Weltkrieg verhindert.1945 bis ca. 1960 - Wiederaufbau
In der Sowjetischen Besatzungszone, dann DDR erfolgte 1950 die sozialistische Bodenordnung mit Aufhebung des freien Bodenmarktes und weitgehendem Enteignungsrecht für staatliche Planung. Städtebauliche Prinzipien werden nach sowjetischem Vorbild durchgesetzt: z. B. in Hauptmagistralen wie die Stalinallee / Karl-Marx-Allee in Ost-Berlin. Städte werden als Ausdruck der neuen gesellschaftlichen Ordnung verstanden, wobei im Zentrum nicht Kommerz und Banken, sondern öffentliche Gebäude und auch Wohnungen im Mittelpunkt standen.In der Trizone, dann später der BRD, aber auch in der DDR erfolgte der Wiederaufbau nach unterschiedlichen Mustern:
- völlige Neuordnung des Stadtkerns mit Umlegung und neuem Straßennetz, beispielsweise in Pforzheim, Wesel, Hannover oder Chemnitz;
- partielle Neuordnung mit teilweiser Umlegung und Durchbruch von Verkehrsachsen wie in Duisburg, Essen, Dortmund, Düsseldorf, Kassel, Köln, Bonn, Hamburg, Dresden, Magdeburg;
- weitgehende Wiederherstellung der mittelalterlichen Struktur trotz starker Zerstörung wie in Nürnberg: Grundfläche und Kubatur der Gebäude blieb erhalten, aber moderne Architektur;
- Wiederaufbau ohne größere Neuordnung in wenig zerstörten Städten, z. B. Wuppertal.
- Neue Städte vor allem für Heimatvertriebene, aber auch bei Industrieansiedlung: z.B. Espelkamp, Bielefeld-Sennestadt, Eisenhüttenstadt
1960 bis 1975
In der DDR erfolgte ein verzögerter Wiederaufbau zugunsten stärkerer Neubautätigkeit in offener, 5- bis 10-geschossiger Zeilenbauweise mit industriellen Fertigbauteilen in wenigen Standardtypen. Der sozialistische Wohnkomplex war ein Neubauviertel mit ca. 10.000-30.000 Einwohnern, begrünte, offenen Hochhauszeilen, einem Zentrum, öffentlichen Einrichtungen wie Schulen, Sportanlagen, Poliklinik, sowie Kaufhalle, Gaststätte und staatlichem Dienstleistungsgebäude.BRD: Große Stadtentwicklungs- und Stadterweiterungsprojekte, scheinbar grenzenloses Wachstum der Ansprüche an Wohnungsgröße und -qualität: Bau von Satellitensiedlungen, z. B. Märkisches Viertel (Berlin), Garath (Düsseldorf), Chorweiler (Köln) und von Satellitenstädten z. B. Wulfen, Erkrath-Hochdahl, Meckenheim-Merl. Die dichte Bebauung u.a. führen teilweise zu geringer Attraktivität, Folge hohe Leerstände, etc.
Das Auto forciert den Bau von innerstädtischen Schnellstraßen, z. B. in Hoch- und Tieflagen wie in Essen, Duisburg, Düsseldorf, Köln. Außenbereiche: Trabantensiedlungen und Suburbanisierung.
Das Leitbild war die autogerechte Innenstadt, in der alle Personen, die zur Arbeit, Einkauf etc. in die Stadt fahren, das neue Verkehrsmittel Auto benutzen würden. Während für den rollenden Verkehr noch entsprechend Raum durch den Ausbau der Straßen der Platz geschaffen wurde, scheiterte der Ansatz letztendlich am Flächenbedarf für den ruhenden Verkehr. Der Bau von Parkplätzen konnte mit dem Bedarf nicht annähernd schritthalten.
Mit dieser Erkenntnis begann die Planung neuer S-Bahn-Projekte, z. B. in Stuttgart (Baubeginn 1971) sowie die Modernisierung der alten Straßenbahnen, die in den Kernbereichen in den Untergrund verlagert wurden.
Im Gegenzug wurden die Autos wieder aus den Innenstädten verdrängt, indem die wichtigsten Einkaufsstraßen zu Fußgängerzonen umgewidmet wurden.
Das Europäische Denkmalschutzjahr 1975 brachte eine Rückbesinnung auf das erhaltene kulturelle Erbe in der Bausubstanz und in der Folge wurden die Altstädte grundlegend saniert. Rückblickend auf die Kriegszerstörung und den Wiederaufbau kann festgestellt werden, dass durch den radikalen Wiederaufbau und Modernisierung der Stadt weit mehr historische Bausubstanz vernichtet wurde als durch den Bombenkrieg.
In den 1970er Jahren erfolgte eine weitere Welle von Eingemeindungen, wobei im Zuge dieser Gebietsreform aus dem Zusammenschluss mehrerer Dörfer neue Städte entstanden sind, die aber in Ermangelung eines echten Zentrums bzw. als polyzentrische Städte mit der traditionellen Stadt noch wenig gemein haben. Beispiele dafür sind etwa Filderstadt oder Leinfelden-Echterdingen.
Gegenwart
Schwerpunkt wird der private Eigenheimbau. Da die Städte die dazu notwendigen Flächen nicht bereitstellen können, erfolgt ein kleinteiliges Wachstum im Umland der Städte anstelle von Großwohnsiedlungen (Suburbanisierung). Es entstehen krisenhafte Probleme in Ballungszentren durch Abwanderung von Bevölkerung und Gewerbe. Die Steuereinnahmen sinken bei wachsenden Sozialausgaben, da in die frei werdenden Wohnungen sozial schwache Familien einziehen. Im Umland kommt es zu einer erheblichen Flächenversiegelung und zur Zerstörung dörflicher Strukturen. Da der Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs dem Außenwachstum nicht Schritt halten kann, steigt das Verkehrsaufkommen durch den Individualverkehr.Eine Stadtentkernung (Doughnut cities) bewirkt, dass Einkaufszentren sich an den Stadträndern mit billigem Baugrund ansiedeln. Die Kaufkraft wird dorthin verlagert und kleinere Betriebe wandern nach. Dadurch entsteht im Umland ein so genannter Speckgürtel, reiche Umlandgemeinden mit Ansiedlung neuer Industrie, Gewerbe und Handel, sowie Zuzug der vermögenderen Bevölkerung, während die Stadt trotz sinkender Steuereinnnahmen weiterhin für die Infrastruktur aufkommen muss. In der Folge veröden Stadtteile in den Zentren, Nahversorgung und -verkehr geraten in eine Krise und der Autoverkehr schafft zunehmend Probleme.
Die Stadtplanung orientiert sich um auf eine erhaltende, sanfte Modernisierung. Die Aufwertung der Dienstleistungsberufe bringt eine Unterscheidung von Industrie- und Dienstleistungsstädten. Auch Stadtmöbelkonzepte werden in diese Planungen einbezogen.
In etlichen Großstädten in Deutschland existieren Pläne zum Umbau der Bahnhöfe, die meist als Kopfbahnhöfe am ursprünglichen Stadtrand angelegt wurden, aber inzwischen in die Stadt "hineingewachsen" sind und mit den zugehörigen Bahnanlagen große wertvolle innerstädtische Flächen belegen. Diese Städte sollen in bahntechnisch günstigere Durchgangsbahnhöfe umgebaut werden und die freiwerdenden Flächen städtebaulich genutzt werden, was eine Untertunnelung der vorhandenen Bebauung erfordert. Ein Beispiel für derartige Projekte ist Stuttgart 21.
Siehe auch Großstadt, Gemeindearten, Stadt des/der, Größte Städte der Welt, Gemeinde
Gegenwärtige Ansätze
Traditioneller Ansatz
In der Vergangenheit wurde die Entwicklung von Städten als eine universelle, lineare Entwicklung dargestellt. Ein solcher Ansatz kann aber viele Aspekte einer Stadt nicht erklären, so wie die Vielfalt der Städte, wie sie existiert. Moderne Ansätze können nicht nur diese Lücken füllen, sondern auch den starren Ansatz der Vergangenheit komplett ersetzen.Drei grundsätzliche Charaktere einer Stadt wurden identifiziert: die Größe der Bevölkerung (Bevölkerungsdichte), die Netzwerke der Stadt, und ein eigener Lebensstil in der Stadt. Keiner dieser Charaktere allein macht eine Stadt aus.
Bis vor kurzem wurden Städte fast ausschließlich als Teil einer einzigen Entwicklungslinie betrachtet. Diese begann oft mit den Griechischen Stadtstaaten und platzierte jede Stadt irgendwo auf dieser Entwicklungslinie. Der Schritt zur nächsten Stufe war die logische Konsequenz und es musste nur lange genug gewartet werden, bis diese Stufe erreicht wird. Für jede Stufe gab es eine Vorzeigestadt. Athen wurde oft als die erste Stadt angesehen; Venedig stellte eine spätere Entwicklungsstufe dar. Später kam London, und Los Angeles wurde oft als die Endphase der Städteentwicklung dargestellt. Eine Stadt wurde als eine homogene, statische Einheit betrachtet, die frei von Ort und Zeit betrachtet werden konnte. Die resultierenden Theorien hatten aber nicht viel mit der Realität zu tun. Trotz vielen offensichtlichen Mängeln ist dieser traditionelle Ansatz noch immer beliebt und auch in angesehenen Publikationen zu finden.
Mängel
Trotz der weiten Verbreitung hatte der traditionelle Ansatz gewichtige Mängel. So war, abgesehen vielleicht vom Endstadium Los Angeles, der ganze Ansatz äußerst eurozentrisch. Es wurde angenommen, dass jede Stadt in der Welt mit einer Stadt in Europas Geschichte verglichen werden kann. Zweitens gab es keine wirkliche Erklärung wann und warum Änderungen stattfanden, wann und warum eine Stadt die nächste Stufe erreicht. Der traditionelle Ansatz fand es für nicht nötig, die Entwicklung einer einzelnen Stadt zu verfolgen um die Theorie zu überprüfen. Drittens ist die abgetrennte Sicht von Städten problematisch. Diese Sicht impliziert, dass weder die Geschichte einer Stadt noch die Kultur oder Verbindungen zu anderen Orten irgend einen Einfluss auf die Stadt hätten. Dies ist fragwürdig. Viertens hat es der traditionelle Ansatz verpasst, eine Stadt an sich überhaupt zu definieren. Es ist unklar, warum eine Ortschaft als Stadt betrachtet wird und eine andere nicht. Schließlich betrachtet der traditionelle Ansatz nur eine Geschichte der Stadt. Dies steht im Widerspruch zu modernen Ansätzen, denn die Stadt war wohl nicht gleich für einen Sklaven und einen Aristokraten. Dieser Punkt unterstreicht die multidimensionale Sicht von modernen Ansätzen.Neue Ansätze
Gegenwärtige Ansätze zu Städten versprechen diesen Mängeln gerecht zu werden. Dafür wird die Bedeutung von Verbindungen und Netzwerken besonders betont. Gleichzeitig werden auch die internen Unterschiede unterstrichen.Die Verbindungen einer Stadt können den einzigartigen Charakter einer jeden Stadt erklären. Städte werden als Teil von Netzwerken gesehen: kulturelle Netzwerke, wirtschaftliche Netzwerke, Handel oder Geschichte. Graz und Stockholm sind etwa kulturell verbunden, beides sind ehemalige kulturelle Hauptstädte Europas. London und Tokio hingegen sind wirtschaftlich verbunden, vor allem durch die Börse.
Solche Netzwerkee sind in Städten konzentriert und überlappen auch dort. Diese Konzentration von Verknüpfungen bedingen, dass sich eine Stadt anders anfühlt als ein Bauerndorf. Die Netzwerke einer Stadt verbinden diese aber nicht nur mit anderen Städten, sondern auch mit dem Umland. Eine Stadt alleine könnte sich nicht unterhalten, benötigt sie doch zum Beispiel die Nahrungsmittel aus dem umliegenden Gebiet. Auch für den Handel sind Netzwerke nötig, beides lokal und regional.
Mit Netzwerken ist es möglich, den Aufstieg und Fall von Städten zu erklären. Dies wird damit erklärt, dass die verschiedenen Netzwerke über Zeit an Bedeutung gewinnen oder verlieren können. Ein gutes Beispiel ist Mexiko. Vor der Ankunft der Spanischen Kolonialmacht waren Verbindungen zu Tenochtitlán (Mexiko Stadt) am wichtigsten. Nach der Ankunft der Kolonialmacht änderte sich die Bedeutung der Verknüpfungen innerhalb kurzer Zeit: eine Verbindung zu Madrid, dem Zentrum des Reichs war nun von größerem Vorteil.
Die Konzentration von Netzwerken in Städten hilft, Urbanisierung zu erklären. Es ist der Zugang zu bestimmten Netzwerken, der die Menschen anzieht. Da die verschiedensten Netzwerke sich in einer Stadt treffen, sammeln sich die Leute dort. Gleichzeitig bedeutet die Konzentration von diesen Menschen die Einführung von weiteren Netzwerken, sozialen Verbindungen mit den Orten woher die Migranten kommen. Die Konzentration von Menschen steigert auch die Möglichkeit, dass neue Verbindungen geschaffen werden, denn ein Individuum trifft auf eine viel größere Anzahl andere Individuen, beides, solche die gleich und solche die anders sind. Die Offenheit von Städten zu solchen Verbindungen und Verknüpfungen macht Städte attraktiv aber auch unkontrollierbar.
Ein weiterer Aspekt von gegenwärtigen Ansätzen ist ein Fokus auf interne Diversifikation in Städten. Die internen Unterschiede in einer Stadt sind mit den externen Netzwerken gekoppelt. Städte sind Orte wo sich Geschichten treffen, wo aus verschiedenen Kulturen und Verbindungen etwas Neues geschaffen wird. Jede Verbindung einer Stadt zu anderen Orten funktioniert in beide Richtungen, es wird genommen und gegeben? Auch wenn meist nicht gleich viel. Viele Verbindungen sind ausgesprochen ungleich.
Weder die internen Unterschiede noch die externen Verbindungen eines Ortes allein machen eine Stadt aus. Die internen Unterschiede werden von externen Netzwerken beeinflusst. Gleichzeitig ermöglichen die vielen Netzwerke Verbindungen nach außen und damit Raum für die Schaffung von Unterschieden von innen. Divisionen und Verbindungen in Städten sind also untrennbar, und nur wenn beide zusammen betrachtet werden, ist es möglich, eine Stadt zu begreifen. Immigration dient als Beispiel davon, wie Divisionen und Verbindungen untrennbar sind. Migranten bringen ihre eigene Geschichte mit, wenn sie sich in einer Stadt niederlassen. Sie bringen auch ihre Netzwerke, zum Beispiel in Form von Kontakten in anderen Ländern. Diese Netzwerke können auch bestehende Netzwerke stärken und deren Bedeutung beeinflussen. Die Geschichte, die die Migranten mitbringen dient auch dazu, mit anderen zu identifizieren oder andere auszuschließen. Dies führt zu Divisionen in Städten.
Anstatt die Spannung zwischen Verbindung und Unterschieden abzubauene, versuchen gegenwärtige Ansätze, sie unter einen Hut zu bringen. Statische Einheitsgebilde wurden mit multidimensionalen Netzwerken ersetzt, die sich flüssig und dynamisch formen lassen.
siehe auch: Stadterneuerung
Literatur
Romane- Alfred Döblin, Berlin Alexanderplatz
- Benevolo, L. Die Geschichte der Stadt, Frankfurt 1991
- Blum, Elisabeth, Schöne neue Stadt. Wie der Sicherheitswahn die urbane Umwelt diszipliniert, Birkhäuser Verlag 2003, ISBN 3-7643-6250-2
- Hoffmann-Axthelm, Dieter Die dritte Stadt, Frankfurt 1993, ISBN 3-518-11796-3
- Hotzan, J.: DTV-Atlas zur Stadt, München 1994
- Isenmann, E., Die deutsche Stadt im Spätmittelalter. 1250-1500 - Stadtgestalt, Recht, Stadtregiment, Kirche, Gesellschaft, Wirtschaft, Stuttgart 1988.
- Krabbe, Wolfgang R.: Die deutsche Stadt im 19. und 20. Jahrhundert : eine Einführung, Vandenhoeck & Ruprecht : Göttingen 1989, 224 S. (=Kleine Vandenhoeck-Reihe 1543) ISBN 3-525-33555-5
- Alexander Mitscherlich, Die Unwirtlichkeit unserer Städte, Frankfurt a.M. 1965
- Oswald, Franz / Baccini, Peter: Netzstadt. Einführung in das Stadtentwerfen, Basel/Boston/Berlin: Birkhäuser 2003.
- Oswald, Franz / Schüller, Nicola (Hrsg.): Neue Urbanität. Das Verschmelzen von Stadt und Landschaft, Zürich: gta 2003.
- Oswalt, Philipp (Hrsg.), Schrumpfende Städte. Städtischer Wandel im Zeichen von Postfordismus und Globalisierung, Hatje Cantz Verlag 2004.
- Ronneberger, Klaus / Lanz, Stephan / Jahn, Walther: Die Stadt als Beute, Bonn: Dietz 1999.
- Sieverts, Thomas: Zwischenstadt. Zwischen Ort und Welt, Raum und Zeit, Stadt und Land, Basel/Boston/Berlin: Birkhäuser 1997.
- Stadt (Stadtgemeinde), in: Meyers Konversationslexikon, 4. Aufl. 1888, Bd.15, S.211ff.
Filme
- , Regie: Walter Ruttmann, Deutschland 1927
Siehe auch
- Liste der ältesten Städte
- Liste alternativer Städtenamen
- Liste der Städte in Deutschland
- Liste der Städtelisten nach Ländern
- Liste der Großstädte in Deutschland
- Liste der größten Städte der EU
- Liste der größten Städte der Welt
- Stadtsoziologie, Sozialgeographie
Weblinks
- http://www.tageo.com - Verzeichnis mit über 2,5 Millionen Städten weltweit.
Ähnliche Beriffe sind Innenstadt, Oststadt, Südstadt, Weststadt und Nordstadt. Vgl. auch Weichbild.