Schriftsetzer
Den Beruf konnte man nur im Stehen ausführen. Bis Mitte der 1960er Jahre war dies ein reiner Männerberuf (wenigstens in der Schweiz). Der Setzkasten (mit etwa 200 Fächern) war aus Holz, manchmal auch Kunststoff/Metall, und wog etwa 20 kg im Durchschnitt. Große Schriftgrade waren in so genannten Steckschriftkästen untergebracht: man musste dort von Hand oder mit einer Pinzette die einzelnen Zeichen herauszupfen, und nach getaner Arbeit wieder hineinstecken.
Der Schriftsetzer war in der Regel ein sehr genauer, pingeliger Mensch, denn es musste Ordnung herrschen in den Setzkästen. Jedes Zeichen musste genau in seinem Fach sein.
Neben der Handarbeit gehörte zum Schriftsetzerberuf auch ein gründliches Wissen über Schrifttypen und Grafik - eine Schriftsetzerlehre dauerte vier Jahre und Schriftsetzer galten als die Intellektuellen unter den Handwerkern. Auch mußte der Schriftsetzer über sehr gute Rechtschreibkenntnisse verfügen, die letzten Fehler, die den Korrekturlesern entgingen, wurden meist von den Bleisetzern beseitigt. Viele Setzer konnten sowohl spiegelverkehrt als auch rückwärts lesen. Hinzu kommt eine Gabe für ausgewogene Gestaltung bis hin zur Verwendung von Seidenpapier um Abstände zwischen Buchstaben festzulegen. Der Satz einer Titelseite eines Buches konnte so schon mal mehrere Tage in Anspruch nehmen.
Die Bleisetzer erlernten die Kunst des 'Schriftmalens' - mit Farbe oder Gold auf (z. B.) Leder Urkunden anzufertigen. Dies wurde bis in die 90er Jahre vermittelt und mit Aufkommen der Computer endgültig verdrängt.
Eine Besonderheit der grafischen Berufe wie Schriftsetzer und Drucker war auch die Gautsch - beim Lehrabschluss wurden von dem Lehrling seine Fehler "abgewaschen" indem er in einen Brunnen getaucht wurde.
Auf einer Monotype-Einzelbuchstaben-Gießmaschine konnten die Zeichen neu gegossen werden. Spezielle Schriften mussten pro so genanntem Minimum gekauft werden, dh. es war ein minimaler Zeichensatz nötig. Allerdings mussten diese Handsatzschriften später wieder in ihre Fächer im Setzkasten zurückgelegt werden, was einen großen Aufwand bedeutete.
Setzereien hatten im Keller jeweils tausende von Tonnen Bleimaterial gelagert. Nach dem Zweiten Weltkrieg haben dies zwei Franzosen, Higonnet und Moiroud, einmal selber feststellen können. Sie kamen dann auf die Idee, eine Setzmaschine zu bauen, mit der man mit einem Film Buchstaben setzen und belichten konnte. Somit war die Photon-Lumitype 1952 geboren. Dies war der Beginn des Filmsatzes. Mit der Méridien und der Univers-Schrift von Adrian Frutiger (bei der Schriftgießerei Deberny & Peignot in Paris) ist die Geburtsstunde des Filmsatzes in Europa eingeläutet worden.
Heute sind die Tätigkeiten des klassischen Schriftsatzes teilweise im Ausbildungsberuf des Mediengestalters wiederzufinden.
Siehe auch: Linotype, Monotype, Typograf, Typografie