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Radierung

Eine Radierung (v. lat: radere = kratzen, wegnehmen, entfernen); ist ein grafisches Tiefdruckverfahren. Zu unterscheiden sind Verfahren, die auf physikalischer Kaltverformung der Druckplatte beruhen und solchen die auf chemischem Wege Material entfernen. (siehe weiter unten "Techniken des grafischen Tiefdrucks")
Die Technik der Radierung entwickelte sich im 16. Jahrhundert aus dem Kupferstich. Die ersten Radierungen tauchen im Jahre 1513 auf (siehe auch Grafik, Kapitel Geschichte der Graphik). 
aus dem frühen 16. Jahrhundert

Inhaltsverzeichnis
1 Herstellungsvorgang einer Ätzradierung im Detail
2 Techniken des grafischen Tiefdrucks
3 Farbradierung
4 Geschichte der Radierung
5 Radierung und Kupferstich
6 Literatur
7 siehe auch
8 Weblinks

Herstellungsvorgang einer Ätzradierung im Detail

Die Druckplatte wird mit einer säurebeständigen Schicht - dem Ätzgrund oder Abdecklack, einer Mischung aus Wachs, Mastix und Asphalt - überzogen. Auf dieser Platte wird die Zeichnung mit einer Radiernadel, einer Roulette oder Moulette leicht in diese säurebeständige Schicht eingeritzt. Es folgt ein Säurebad (üblich ist Salpetersäure oder Eisenchlorid), in der die Säure das Metall an den eingeritzten Stellen ätzt. Je nach Zeitdauer der Säureeinwirkung werden die Linien stärker oder schwächer. Sollen einzelne Partien kräftiger erscheinen, werden die übrigen ebenfalls mit der säurebeständigen Schicht bedeckt und die Platte wieder ins Säurebad gelegt. Eine einzelne Druckplatte kann so eine Reihe von Ätzvorgänge aufweisen. Erzielt wird damit im Druck eine Abstufung vom hellsten Grau bis zum tiefsten Schwarz. Der entscheidende Schritt zur künstlerischen Entfaltung der Radierung lag in der Erfindung des stufenweisen Ätzens.

Nach Entfernung des Ätzgrundes wird die Platte mit der Druckfarbe eingefärbt, und durch Wischen soweit von Farbe gereinigt, dass nur die tiefer liegenden, druckenden Plattenteile farbtragend sind. Die Druckfarbe wird beim anschließenden Druck an das Druckpapier wieder abgegeben, wenn ein angefeuchtetes Blatt Tiefdruckpapier durch die Radierpresse gezogen wird.

Techniken des grafischen Tiefdrucks

Die grafischen Tiefdruckverfahren werden in zwei große Gruppen unterteilt: die manuellen Verfahren (wie beispielsweise Kaltnadel, Kupferstich, Mezzotinto) und die Ätzverfahren. Die Radierung zählt zu den Ätzverfahren, zu der auch Aquatinta und Vernis Mou zählen. Carborundum ist eine Kombination aus Radierung und Prägedruck, bei der zusätzlich zur Radierung bestimmte Stellen der Druckplatte mit einer Mischung aus z. B. Carborundum (Schleifsand für Lithosteine) und Marmormehl bedeckt werden. Die "Heliogravure" entstand Ende des 19. Jhdts als mit der Fotografie lichtempfindliche Beschichtungen aufkamen. Auf ein mit Kaliumdichromat sensibilisiertes Papier (Pigmentpapier) wird das Halbtondia belichtet. Anschließend wird dieses Papier in kaltem Wasser gewässert und auf eine mit Aquatinta versehene Kupferplatte gequetscht. Die Entwicklung findet in warmen Wasser statt. Die unterschiedlich starke Lichteinstrahlung ist für die Bildung eines Gelatinereliefs verantwortlich. Je nach Reliefstärke kann die Säure die Gelatine durchdringen. Dünne Schicht erlaubt schnelles Durchdringen und damit längere Ätzzeit (=dunklerer Ton) dicke Schicht das Gegenteil.

Farbradierung

Heute üblich sind Farbradierungen. Hierbei unterscheiden sich grob drei Varianten. Eingefärbete Radierungen, Radierungen, die in einer (Grund-)Farbe gedruckt sind, werden nachträglich koloriert. Weniger gebräuchlich ist die Farbradierung von einer Platte. In der einfachen Variante wird die Druckplatte mit verschiedenen Farben eingefärbt. Naturgemäß ist das aber schwierig zu steuern und es ist so kaum möglich einen einheitlichen Auflagendruck (eine bestimmte und garantierte Anzahl identischer Exemplare) durchzuführen. Mehrplattenfarbradierung: Eine präzise Steuerung erlaubt der Druck von mehreren Druckplatten. Von der ersten Druckplatte wird das Motiv auf weitere, gleich große Platten übertragen, die dann andere Farben tragen. Dies gelingt, indem man beim Übertragen das Bütten (Druckpapier) noch unter der Walze der Druckpresse lässt, die bereits gedruckte Druckplatte gegen eine unbenutzte tauscht und den Druckvorgang wiederholt. Hierbei bildet sich das Druckbild auf der unbedruckten Platte ab. Der Druck der mehrplatten Farbradierung erfolgt dann in der Reihenfolge von der hellen zur dunklen Farbe.

Geschichte der Radierung

Radierung und Kupferstich

Wie die Radierung zählt auch der Kupferstich zu den Tiefdruckverfahren. Während beim Kupferstich durch das scharfe Einschneiden sehr exakte klare Ränder erzielt werden können, greift die Säure beim Ätzvorgang der Radierung das Metall ungleichmäßig an. Sie dringt, wenn auch nur sehr geringfügig auch unter die Ränder der Deckschicht ein. Dadurch entsteht die etwas körnig wirkende Linie.

Ein weiterer Unterschied zwischen Kupferstich und Radierung liegt in der Möglichkeit der Linienführung. Während bei der Radierung mit der Nadel so frei wie mit einem Bleistift gearbeitet werden kann und damit eine unmittelbare, spontane Zeichnung möglich ist, ist die Schnittführung des Kupferstichs auf gerade oder kurvige Linien beschränkt, die entweder in parallelen Zügen oder in Kreuzlagen geführt werden.

Die Unterscheidung zum Kupferstich kommt vorrangig aufgrund der unterschiedlichen Technik zustande. Der Kupferstich wurde - wie die technisch weniger zeitaufwändige Radierung - als "billige" Reproduktionstechnik, die hohe Auflagen erlaubte bereits im 16. Jhdt verwendet. Weil der Radierung die "Kälte" des Kupferstiches fehlt, wurde diese zunehmend als eigenständige und ursprüngliche Ausdrucksform von Sammlern des zu Wohlstand gekommenen Bürgertums im 17./18.Jahrhundert sehr geschätzt. Besonders Rembrandt bediente diesen "Markt" derer, die sich seine Ölgemälde nicht leisten konnten zunächst mit Reproduktionen, aber sehr bald auch mit eigenständigen radierten Werken, deren Formate oft nur die Größe einer halben Postkarte besitzen.

Gegen Mitte des 19.Jahrhunderts verloren Radierung und Kupferstich schlagartig ihre Bedeutung durch die Erfindung der Lithographie und Zinkotypie, die erst den Druck hoher Auflagen in den Massenblättern ermöglichten. Erst durch den Zylinderrotationstiefdruck, der Millionenauflagen in höchster Farbbrillianz ermöglicht, kamen Kupferstich und Radierung - wenn auch hochtechnisiert - wieder in massenhafte Anwendung. Die Mehrzahl der hochwertigen Modezeitschriften wird heute im Rotationstiefdruck hergestellt, wobei die 4-Farbseparation im Unbuntaufbau sparsamen Farbauftrag mit höchster Farbtreue und Brillianz verbindet. Die Walzen werden dabei entweder computergesteuert graviert (wie vormals im Kupferstich), fotochemisch geätzt (wie in der Radierung) oder galvanochemisch vertieft.

Die manuellen Verfahren sind - bedingt durch die zeit- und arbeitsintensiven Arbeitsabläufe - heute eine eher elitäre grafische Technik, die wegen ihrer eigenständigen grafischen Wirkungen und der Möglichkeit kostengünstiger Kleinauflagen von vielen Künstlern praktiziert wird.

Literatur

siehe auch

Weblinks



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