Professor
Siehe: akademischer Grad.
Professoren in Deutschland
Professorenämter
In Deutschland unterscheidet man:- (in aller Regel beamtete) Universitätsprofessoren (Berufs- oder Dienstbezeichnung) an Universitäten, (Gesamt-)Hochschulen und Akademien (früher meist C3- und C4-, nun W2- und W3-Professoren);
- (in der Regel beamtete) Professoren (Berufs- oder Dienstbezeichnung) an Fachhochschulen, Kunsthochschulen und Berufsakademien (an Fach- und Kunsthochschulen nun W2- und W3-Professoren);
- Stiftungsprofessoren sind Professoren, die auf einen Lehrstuhl berufen werden, der über eine fremdfinanzierte Stiftung zur Verfügung gestellt wird.
- Honorarprofessoren (von lat. professor honorarius = 'ehrenhalber'): das sind Professoren, die gewöhnlich nicht die normale akademische Karriere durchlaufen haben und auch die üblichen akademischen Voraussetzungen nicht mitbringen müssen, sondern die wegen ihrer beruflichen Qualifikation oder ihres langjährigen akademischen Einsatzes wegen ehrenhalber berufen wurden. Sie halten Lehrveranstaltungen ab, aber sind in der Hauptsache weiter in ihrem Beruf tätig. Sie sind den anderen Professoren vom akademischen Stand her nicht gleichgestellt. Entgegen landläufiger Annahmen erhält der Honorarprofessor nicht unbedingt ein Honorar für seine Lehrtätigkeit.
- außerplanmäßige (apl.) Professoren: das sind Professoren, die ebenfalls keine Professorenstelle (nach dem Stellenplan) inne haben und dennoch als Hochschullehrer (zum Teil unentgeltlich als Privatdozenten) tätig sind. Es handelt sich um einen Titel, der in der Regel an verdiente Privatdozenten verliehen wird;diese Regelung ist an den Universitätskliniken weit verbreitet. Dort verdient der Arzt sein Geld als Oberarzt oder Chefarzt und erhält für seine wissenschaftliche Arbeit eine außerplanmäßige Professur, die meist kostengünstiger ist als eine planmäßige W-Professur.
- Gastprofessoren sind Professoren, die an einer anderen als der Heimatuniversität-/hochschule tätig sind. Dies geschieht zumeist in einem wissenschaftlichen Austausch über Gastsemester oder innerhalb von Forschungsprojekten.
- Vertretungs-Professoren sind Professoren, die in einer Übergangszeit mittels einer befristeten Einstellung und unabhängig von den üblichen Bewerbungsverfahren eine semesterweise Vertretung einer Professur übernehmen. Ein Anspruch auf Daueranstellung und Titel gibt es nicht.
- auf Zeit beamtete oder angestellte Juniorprofessoren (Dienstbezeichnung): das sind Nachwuchswissenschaftler, die sich zur Berufung auf eine Professur qualifizieren sollen; früher sprach man auch von Assistenzprofessoren. Die Art von Professur ist derzeit nur an Universitäten angesiedelt.
- Professor h.c. (Abkürzung für lat. honoris causa 'ehrenhalber'). Dieser Titel wird für besondere wissenschaftliche, künstlerische oder politische Verdienste verliehen.
Professoren an einer künstlerischen Hochschule (Akademie) leiten meist eine Meisterklasse.
Bei Erreichen der Altersgrenze für die Berufstätigkeit werden Professoren pensioniert oder emeritiert (nur bei länger zurückliegender Berufung möglich). Diese Professoren werden als emeritierte Professoren oder Emeriti (Singular: Emeritus oder Emerita) bezeichnet.
Einstellungsvoraussetzungen
Eine Voraussetzung zur Berufung als Universitätsprofessor war bis Ende des 20. Jahrhunderts in der Regel die Habilitation oder eine gleichwertige herausragende wissenschaftliche Leistung; an wissenschaftlichen Hochschulen ist in der Mehrzahl der Fachbereiche zumindest die Promotion erforderlich.Für die Berufung an Fachhochschulen werden dagegen die Promotion und in der Regel eine mindestens fünfjährige Berufspraxis (davon drei Jahre außerhalb der Hochschule) sowie besondere Leistungen bei der Anwendung oder Entwicklung wissenschaftlicher Erkenntnisse und Methoden erwartet. An Kunsthochschulen kann berufen werden, wer eine besonders herausragende künstlerische Qualifikation besitzt.
In Deutschland sind die Einstellungsvoraussetzungen sowie die dienstrechtlichen Verpflichtungen der Professoren im Hochschulrahmengesetz (HRG) und in den Landeshochschulgesetzen geregelt. In Bayern gibt es zudem ein eigenes Hochschullehrergesetz.
In Deutschland gilt - trotz einiger Lockerungen in jüngerer Zeit - grundsätzlich das Hausberufungsverbot: Wer sich auf eine W2- oder W3-Professur bewirbt, darf nicht an der Hochschule tätig sein, an die er sich bewirbt. Damit sollen Bevorzugungen und Nepotismus erschwert werden.
W2- und W3-Stellen werden (so wie zuvor C3- und C4-Stellen) durch ein kompliziertes und langwieriges Berufungsverfahren besetzt, bei dem eine Kommission zunächst eine Vorauswahl unter den Bewerbern trifft, dann einige Kandidaten Probevorträge halten lässt (sog. "Vorsingen"), darunter wiederum für eine Auswahl trifft und parallel Gutachten von außerhalb der Universität einholt und schließlich eine meist 3 Personen umfassende Vorschlagsliste erstellt. In der Regel ergeht dann an den Erstplazierten der "Ruf" auf die Stelle; die Entscheidung liegt je nach Bundesland letztendlich beim zuständigen Minister oder Hochschulpräsidenten. Durch Absagen der Listenplatzierten kann sich das Verfahren jedoch bis hin zu einer Neuausschreibung verzögern.
Berufsverbände
- Der Deutsche Hochschulverband ist mit mehr als 20.000 Mitgliedern eine Interessensvertretung der Deutschen Universitätsprofessoren mit einem umfassenden Serviceangebot.
- Der Hochschullehrerbund ist mit circa 4.500 Mitgliedern eine Interessensvertretung der Deutschen Professoren an Fachhochschulen mit einem umfassenden Serviceangebot.
Besoldungsstufen
Die Besoldung von beamteten Professoren und Assistenten an staatlichen Hochschulen in Deutschland erfolgt nach der W oder der C-Besoldung. Bei Neueinstellungen oder nach Bleibeverhandlungen kommt je nach Bundesland seit 2004 oder spätestens seit 2005 nur noch die W-Besoldung zur Geltung, die drei Stufen umfasst: W1 (Juniorprofessur), W2 und W3 (Besoldungsarten für alle anderen Arten von dauerhaft verbeamteten Professoren).In der älteren C-Besoldung, in denen vor 2005 berufene Hochschulangehörige freiwillig verbleiben können, wird die Eingruppierung nach C1 (wissenschaftliche Assistenten), C2 (Oberassistenten und Hochschuldozenten), C3 und C4 unterschieden, wobei die Eingruppierung nach C4 der höchsten Stufe eines ordentlichen Universitätsprofessors und Lehrstuhlinhabers entspricht. C3- und C4-Professoren sind auf Lebenszeit eingestellt und haben sich im Rahmen eines Berufungsverfahrens gegen Mitbewerber durchsetzen müssen. Sie haben grundsätzlich dieselben Rechte und Pflichten, doch verfügt ein C3-Professor meist nicht über Mitarbeiterstellen.
Der Vorläufer der C-Besoldung ist die H-Besoldung. Im Unterschied zur C- bzw. H-Besoldung gibt es bei der W-Besoldung einen unveränderlichen festen Grundbetrag, zu dem leistungsorientierte, oft nicht ruhegehaltsfähige Zulagen geleistet werden können. Die älteren Besoldungsstufen C und H enthalten dagegen eine Altersprogression: die Besoldung steigt mit zunehmendem Dienstalter; Zulagen sind hier nur auf der C4-Stufe im Fall weiterer Berufungen oder geeigneter Verhandlungen möglich. Sie können ein mehrfaches der C4-Besoldung betragen, insbesondere um hochdotierte Mitarbeiter der freien Wirtschaft an Hochschulen zu holen.
Abkürzungen
- Prof.: Professor
- o. (Univ.-)Prof.: ordentlicher Universitätsprofessor
- ao. (Univ.-)Prof.: außerordentlicher Universitätsprofessor
- apl. Prof.: außerplanmäßiger Professor
- Prof. h.c.: Professor honoris causa ('ehrenhalber')
- Prof. em(erit).: Professor emeritus/emerita
Beispiele
- Prof. Dr. rer. nat. habil. Erika Müller
- Prof. Dr. rer. pol. Werner Wiesel
- Prof. Detlev Müller-Lüdenscheid, Ph.D., M.Sc., B. Arts
- JunProf. Dr. jur. Otto Klöbner
möglicher Werdegang (Beispiel I)
- stud. rer. nat. Julian Lemburg (Student bis zum Vordiplom)
- cand. rer. nat. Julian Lemburg (Student nach Vordiplom, vor Diplom)
- dipl. rer. nat. Julian Lemburg (nach dem Diplom)
- Dr. rer. nat. Julian Lemburg (mit Doktortitel)
- Dr. rer. nat. habil. Julian Lemburg (habilitiert)
- PD. Dr. rer. nat. habil. Julian Lemburg (Privatdozent)
- apl. Prof. Dr. rer. nat. habil. Julian Lemburg (außerplanmäßiger Professor)
- Prof. Dr. rer. nat. habil. Julian Lemburg (Professor)
möglicher Werdegang (Beispiel II)
- Julian Lemburg, B.Sc. (Abschluß als Bachelor an einer Universität oder Fachhochschule)
- Julian Lemburg, Ph.D., B.Sc. (Abschluß des Doktorstudiums)
- Prof. Julian Lemburg, Ph.D., B.Sc. (Professor an einer Universität oder Hochschule)
Professoren in den USA
Arten von Professuren
Das US-amerikanische System sieht in der Regel drei Stufen von Professuren vor:- Assistant Professorship (entspricht der deutschen wissenschaftlichen Assistentur oder Juniorprofessur): Voraussetzung ist eine qualifizierte Promotion;
- Associated Professorship (entspricht der deutschen außerordentlichen Professur): Voraussetzung ist eine Qualifikation als Assistant Professor;
- Full Professorship (entspricht der deutschen ordentlichen Professur): Voraussetzung ist eine Qualifikation als Associated Professor oder eine außerordentliche wissenschaftliche Leistung.
Tenure
In den USA gibt es eine Regellaufbahn für Professuren, die als Tenure Track bezeichnet wird: Wenn man sich als Assistant Professor bewährt hat, bekommt man eine feste Laufbahnzusage (Tenure), ist also unkündbar und wird nach einem bestimmten Zeitraum zum Associated bzw. Full Professor. Es ist üblich, hervorragende Wissenschaftler damit zu locken, Tenure in Aussicht zu stellen oder zuzusagen. In Deutschland war es hingegen bis zum Ende des 20. Jahrhunderts vorgeschrieben, für eine Weiterqualifikation die Hochschule zu wechseln (Verbot der Hausberufung). In den USA sind die meisten, darunter auch die angesehensten Universities, in privater Trägerschaft. Diese sind i.d.R. incorporated (Inc)oder durch Trademark geschützt. Dadurch sind auch die Berufungs- bzw. Anstellungsbedingungen für Professoren unterschiedlich geregelt. Auch Colleges und andere Bildungseinrichtungen, insbesondere die, die in der beruflichen Erwachsenenbildung tätig sind, können Professoren einstellen, ohne das es hierfür einer Genehmigung durch das "Department of Education" (gleichzusetzen mit dem deutschen Kultusministerium) bedarf. Mit der Einführung der Juniorprofessur soll es auch in Deutschland möglich sein, eine Laufbahnzusage nach US-amerikanischem Vorbild zu erhalten, wenn ein Wechsel der Hochschule vor der Übernahme der Juniorprofessur stattgefunden hat. Bislang ist es in Deutschland in vielen Fächern aber noch nicht gewährleistet, dass ein Juniorprofessor später auf eine Dauerstelle übernommen werden kann - mithin ist das angelsächsische System in einem entscheidenden Punkt nicht übernommen worden, so dass zum Teil heftige Diskussionen über den Sinn der Reform geführt wurden.andere englischsprachige Länder
Ausserhalb den USA wird der Titel "Professor" meistens nur selten gebraucht und ist den ranghöchsten Akademikern vorbehalten. Professoren sind dort überwiegend in der Forschung, und nur selten in der Lehre, tätig. Anstelle von Professoren gibt es daher an Universitäten in diesen Ländern überwiegend soggenannte Lecturer. Die meisten Lecturer sind fest angestellt und sowohl in der Forschung als auch der Lehre tätig. Der Titel "Lecturer" entspricht dabei ungefähr den US-amerikanischen "Assistant" und "Associate" Professoren.
Weblinks
- Hochschulgesetze, http://www.hochschulverband.de/cms/index.php?id=100
- DHV - Deutscher Hochschulverband, http://www.hochschulverband.de
- hlb - Hochschullehrerbund e.V., http://www.hlb.de
- Besoldungstabellen West
- Besoldungstabellen Ost