Max Brauer
Max Julius Friedrich Brauer, als achtes von dreizehn Kindern einer Arbeiterfamilie geboren, absolviert ab 1902 eine Lehre als Glasbläser und engagiert sich schon früh gewerkschaftlich und politisch: 1904 Eintritt in den "Centralverein der Glasbläser", 1905 in die SPD (deren Ortsverein im vorpommerschen Damgarten er als 17jähriger selbst mitgründet). Da Brauer aufgrund seiner Aktivitäten bald auf überregional kursierenden "schwarzen Listen" der Glasfabrikanten steht, muss er den erlernten Beruf aufgeben und kehrt 1909 in seinen inzwischen nach Altona/Elbe eingemeindeten Geburtsort zurück, wo er Beschäftigung im Konsum-, Bau- und Sparverein (der "dritten Säule" der deutschen Arbeiterbewegung) findet. Im 1. Weltkrieg wird er verwundet und kehrt im November 1915 nach Altona zurück, wo ihn der genossenschaftliche Fleischverarbeitungsbetrieb "Produktion" in leitender Stellung beschäftigt. 1916 heiratet Brauer die Tochter eines Gewerkschaftsfunktionärs; im selben Jahr wird er als einer von fünf Sozialdemokraten in das Altonaer Stadtverordnetenkollegium gewählt.
Nach dem Krieg wird er 1919 in einer Koalition aus SPD und Liberalen Zweiter Bürgermeister und Stadtkämmerer von Altona, 1924 Nachfolger des verstorbenen liberalen Oberbürgermeisters Bernhard Schnackenburg. Von den Nationalsozialisten 1933 abgesetzt und vorübergehend verhaftet, emigriert Brauer in die USA.
Bei einem Hamburg-Besuch im Frühjahr 1946 – Altona war 1938 durch das Groß-Hamburg-Gesetz eingemeindet worden – spricht er auf einer SPD-Veranstaltung in Planten un Blomen und begeistert die Zuhörer derart, dass die SPD-Führung ihn auffordert, nicht nach Amerika zurückzugehen, sondern bei den bevorstehenden Wahlen zur Hamburgischen Bürgerschaft als Spitzenkandidat anzutreten. Die Wahlen enden mit einem triumphalen Erfolg, denn die SPD erringt 81 von 110 Sitzen und Brauer wird Erster Bürgermeister. Dennoch bildet Max Brauer eine Koalition mit der FDP, da er überzeugt ist, dass der Wiederaufbau der zerstörten Stadt nur gemeinsam von Arbeiterschaft und Kaufmannschaft geleistet werden könne; diese Koalition wird nach den Bürgerschaftswahlen 1949 erneuert. 1953 kommt es jedoch zum Bruch, ausgelöst durch unterschiedliche Vorstellungen in der Schulpolitik. Die SPD verliert die Wahlen gegen den Hamburg Block aus CDU, FDP und DP unter Kurt Sieveking und muss erstmals in die Opposition gehen.
Brauer, offensichtlich tief enttäuscht darüber, dass die Hamburger seine Leistungen der Wiederaufbaujahre nicht entsprechend würdigen, überlässt die Führungsrolle in der Opposition seinem langjährigen politischen Weggefährten Paul Nevermann, behält aber sein Bürgerschaftsmandat. Dass er die Hoffnung auf eine Fortsetzung seiner Rolle in Hamburg noch nicht aufgegeben hat, zeigt sich u.a. darin, dass er die Aufforderungen seiner dortigen Parteifreunde zurückweist, als Nachfolger der verstorbenen SPD-Bürgermeister in Kiel (Andreas Gayk) bzw. West-Berlin (Ernst Reuter) zu kandidieren.
1957 gelingt es Brauer tatsächlich, die Mehrheit zurückzuerlangen, und wieder holt er trotz absoluter SPD-Mehrheit die FDP mit in die Regierung. Nachdem die SPD sich vernehmbar Gedanken über die "Zeit nach Brauer" macht, tritt dieser im Groll zum Jahreswechsel 1960/61 zurück und wird durch seinen Finanzsenator Paul Nevermann ersetzt.
Im Herbst 1961 wird Brauer als Spitzenkandidat auf der Hamburger SPD-Landesliste in den Deutschen Bundestag gewählt. Das Bundestagsmandat verliert er aber bereits 1965 wieder, als er in einer parteiinternen Kampfabstimmung um das Direktmandat dem späteren Bundesfinanzminister Hans Apel unterliegt.
Diese schrittweise Demontage einer langjährigen Gallionsfigur der Altonaer, dann Hamburger Sozialdemokratie führt A. Schildt (siehe Literatur) darauf zurück, dass der Typus des "hemdsärmeligen, Tatkraft und Führungsstärke repräsentierenden Politikers" in den 60er Jahren nicht mehr in die "bisher nicht gekannte Wohlstandsgesellschaft und die immer komplexeren Strukturen der Regierungskunst" passte; Brauer habe dies selbst nicht gesehen, so dass seine Laufbahn "gegen seinen Willen zu Ende ging".
Siehe auch: Politik in Hamburg, Hamburg-Altona
Literatur
- Axel Schildt: Max Brauer. Ellert und Richter, Hamburg 2002, ISBN 3-8319-0093-0
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