Ludwig II. (Bayern)
Die Neutralität dieses Artikels ist umstritten. Eine Begründung findet sich auf der Diskussionseite des Artikels. Mehr dazu siehe Wikipedia:Neutraler Standpunkt.Ludwig Friedrich Wilhelm von Wittelsbach (* 25. August 1845 in München, Schloss Nymphenburg; † 13. Juni 1886 im Starnberger See bei Schloss Berg) war als Ludwig II. von Bayern vom 10. März 1864 an bis zu seinem Tod König von Bayern. Er wird heute oft auch als Märchenkönig bezeichnet.
Biographie
Herkunft
Ludwig II. wurde am 25. August 1845 in München als ältester Sohn von Kronprinz Maximilian und Kronprinzessin Marie Friederike geboren. Er wurde auf den Namen Otto Friedrich Wilhelm Ludwig getauft, Rufname sollte jedoch Ludwig sein. Drei Jahre später wurde sein Bruder Otto I. geboren.Kindheit und Jugend
Ihre Kindheit und Jugend verbrachten die Brüder vor allem auf Schloss Hohenschwangau, in der Umgebung ihrer Mutter.Nachdem sein Großvater, König Ludwig I. von Bayern 1848 abgedankt hatte, wurde sein Vater Maximilian König und Ludwig zum Kronprinzen. 1861 erlebte Ludwig zum ersten Mal Richard Wagners Opern "Tannhäuser" und "Lohengrin". Daraus entstand vermutlich seine besondere Vorliebe für Wagners Opern und die darin verarbeitete Sagen- und Märchenwelt.
Thronbesteigung
Ludwigs Vater Maximilian stirbt 1864, Ludwig wird im Alter von 18 Jahren als Ludwig II. zum König von Bayern proklamiert ("Ludwig, von Gottes Gnaden König von Bayern, Pfalzgraf bey Rhein, Herzog von Bayern, Franken und in Schwaben"). Von Anfang an engagiert er sich für die Förderung der Kultur, insbesondere des Komponisten Richard Wagner. Er finanziert dessen Musikdrama "Der Ring des Nibelungen", das dieser in drei Jahren fertigstellen soll. Im Dezember 1865 muss sich Ludwig II. allerdings dem Widerstand der Staatsregierung, der Münchner Bürger und seiner eigenen Familie beugen. Er fordert Wagner auf, Bayern zu verlassen. Die enge Freundschaft der beiden bleibt bestehen, doch von München zieht sich Ludwig II. immer mehr zurück.Krieg gegen Preußen
1866 tritt Bayern an der Seite des Deutschen Bundes (und damit Österreichs) in den Krieg zwischen Österreich und Preußen ein. Ludwig überlässt das Kriegführen seinen Ministern. Im Friedensvertrag muss Bayern seine Truppen dem preußischen Oberbefehl unterstellen und 30 Millionen Gulden Kriegsentschädigung an Preußen zahlen. Ludwig unternimmt in dieser Zeit seine einzige Bereisung des Landes. Danach widmet er sich vor allem seinen romantischen Ideen und zieht sich auf seine Schlösser zurück, von wo er aber auch die Regierungsgeschäfte fortführt.Ludwig war nie verheiratet, aber ab Januar 1867 mit Sophie, einer Tochter des Herzogs Max, verlobt. Die Verlobung wurde jedoch noch im Oktober desselben Jahres aufgelöst, da Ludwig sich doch nicht entschließen konnte und Sophie ihn zudem heimlich mit dem jungen Fotografen Hanfstaengl betrog. Daneben wird vermutet, dass König Ludwig homosexuell war.
Schlösser
1868 entwirft König Ludwig in einem Brief an Richard Wagner seine Vorstellungen für eine neue Burg Hohenschwangau, das heutige Neuschwanstein. Der Grundstein wird 1869 gelegt. Ein Jahr später beteiligt sich Bayern am Krieg Preußens gegen Frankreich; Ludwig akzeptiert spät die Kaiserkrönung des preußischen Königs. Die Preußen sichern ihm im Gegenzug Geldzahlungen zu, die aus dem Welfenfonds geleistet werden. 1873 wird die Herreninsel im Chiemsee gekauft, wo das Schloss Herrenchiemsee nach Ludwigs Vorstellungen als neues Versailles entsteht. Von 1874 bis 1878 wird Schloss Linderhof anstelle des so genannten Königshäuschens seines Vaters Max II. erbaut. Schloss Linderhof ist das kleinste der drei von Ludwig II erbauten Schlösser, aber auch das einzige welches voll ausgebaut und auch länger von ihm bewohnt wurde.1884 wird der Palas im Schloss Neuschwanstein fertiggestellt, das Ludwig zum bevorzugten Wohnsitz erwählen wollte. Die Bauprojekte Ludwigs - die von ihm selbst finanziert wurden - verursachten erhebliche Defizite der Finanzen in seiner privaten Kabinettskasse, der König war schließlich mit einem "Jahresgehalt" im Rückstand und ungefähr drei hätten erst Ende 1887 gefehlt zum Weiterbau seiner Schlösser. 1886 verweigerte das Kabinett König Ludwig die nicht in der Verfassung vorgesehene geforderte Bürgschaft für einen Kredit in Höhe von sechs Millionen trotz eines Überschusses der bayerischen Staatskasse von 160 Millionen Mark. Bei diesem relevanten Vorgang sollte man stets die plötzlichen Aktivitäten bayerischer Minister in der preußischen Gesandtschaft im Mai und Anfang Juni beachten. Finanzielle private Hilfsangebote von Bankiers waren schon wochenlang vorher von seinen angeblich treuen Beamten wissentlich unterschlagen worden, so dass König Ludwig nichts davon erfuhr.
Entmündigung
Damit war sein Schicksal besiegelt Ludwig II. wurde auf Betreiben der Regierung durch Professor Bernhard von Gudden und weiteren Ärzten für "seelengestört" und "unheilbar" erklärt, allein aufgrund von Zeugenaussagen und ohne persönliche Untersuchung des Patienten. Die letzten Amtshandlungen des Königs, beispielsweise die Einrichtung eines neuen Bezirksamtes in Ludwigshafen (Urkunde vom 3. Juni 1886, von ihm in Hohenschwangau unterzeichnet), lassen wie die zehntausende anderer im Laufe der Jahre unterschriebenen Dokumente jedoch keine eindeutige Unzurechnungsfähigkeit erkennen.Am 9. Juni 1886 wurde Ludwig durch die Regierung entmündigt. Sein Onkel Luitpold übernahm am 10. Juni als Prinzregent die Regierungsverantwortung, später für Ludwigs Bruder Otto I. König Ludwig versuchte noch, einen Aufruf an das bayerische Volk zu erlassen: Der Prinz Luitpold beabsichtigt, sich ohne meinen Willen zum Regenten meines Landes zu erheben, und mein bisheriges Ministerium hat durch unwahre Angaben über meinen Gesundheitszustand mein geliebtes Volk getäuscht und bereitet hochverräterische Handlungen vor. ... Ich fordere jeden treuen Bayern auf, sich um meine treuen Anhänger zu scharen und an der Vereitelung des geplanten Verrates an König und Vaterland mitzuhelfen. (Bamberger Zeitung am 11. Juni kurz vor der Beschlagnahmung). Den Ratschlag Bismarcks jedoch, sich sogleich in München dem Volk zu zeigen, beherzigte Ludwig nicht. Er verhielt sich trotz vieler Hilfsangebote nahezu völlig passiv.
Tod im Starnberger See
König Ludwig wurde in Neuschwanstein in Gewahrsam genommen und nach Schloss Berg verbracht und starb mit Professor von Gudden am 13. Juni abends im seichten Uferwasser des Starnberger Sees - obwohl er als vortrefflicher Schwimmer galt. König Ludwig fand ich 23.30 Uhr tot im Starnberger See. Schloß Berg am 13. Juni 1886 (Notiz des Schlossverwalters Bernhard Huber im Stadtmuseum Schwabach). Nach der offiziellen Version wollte der Arzt den Regenten an einem Selbstmordversuch hindern und kam dabei selbst zu Tode. Um den Tod Ludwigs II. ranken sich zahlreiche Gerüchte (s.u.).
Ludwig wurde am 19. Juni 1886 nach einem Leichenzug durch München in der Gruft der Michaelskirche (Neuhauserstr.) beigesetzt. Sein Herz wurde am 16. August in einer Urne in die Altöttinger Gnadenkapelle verbracht.
Historische Bedeutung
Ludwig II. war kein sogenannter Soldatenkönig. Erst nach seinem Tod wurde die Armeestärke in Bayern vervielfacht. Ludwig war eher ein Monarch, der nach einem mystisch geprägtem Idealbild eines christlichen Königtums strebte und sich träumerisch alte Sagenszenen vorführen ließ. Während seiner Regierungszeit zeigte er kaum politische Initiative. Seine Schwerpunkte lagen eher auf kulturellem Gebiet, so hatte er durch seine Förderung von Richard Wagner und die Errichtung des Festspielhauses in Bayreuth einen deutlichen Einfluss auf die Musikgeschichte. Privat ließ er die Königsschlösser Herrenchiemsee, Neuschwanstein und Linderhof errichten, die dem bayerischen Staat keinerlei unmittelbaren Nutzen brachten. Nach seinem Tod wurden sie - schon bald zur öffentlichen Besichtigung freigegeben - jedoch ein wichtiger Faktor des Tourismus und der Wirtschaftsförderung und begründen seinen Ruf als Märchenkönig. Nicht zu unterschätzen ist seine Bedeutung für die besondere bayerische Identität. So sehr ab 1885 auf einmal Probleme mit der damaligen Regierung aufkamen, so sehr liebte ihn bereits damals das breite Volk. Ludwig war der Kini schlechthin. Schon seine Entmündigung galt vielen Bayern als Komplott des Hofes. Bald nach seinem Tod verbreitete sich die Auffassung, Ludwig sei keines natürlichen Todes gestorben.Zahlreiche Lieder ranken sich um sein Leben und seinen Tod. Ludwig, der Märchenkönig, wurde zum bayerischen Inbegriff der guten alten Zeit. Noch heute gibt es zahlreiche aktive Ludwig II. - Vereine in ganz Bayern (einschließlich Franken und Schwaben), die sein Gedenken wach halten und zum Verband der Königstreuen in Bayern zusammengeschlossen sind.
Im Jahr 2000 wurde Ludwig ein neuer Theaterbau und ein Musical gewidmet: Ludwig II. - Sehnsucht nach dem Paradies von Franz Hummel wurde bis zum 31. Dezember 2003 in rund 1.500 Vorstellungen im hierzu errichteten Füssener Musical Theater Neuschwanstein vor insgesamt 1,5 Mio. Menschen aufgeführt. Aber schon am 11. März 2005 hat in diesem Festspielhaus Neuschwanstein ein neues deutsches Musical über König Ludwig II. von Bayern in der Inszenierung eines internationalen Teams seine Weltpremiere.
Vermutungen, Spekulationen und Gerüchte
Ludwig II. ist einer der Herrscher, um den sich - teils schon zu Lebzeiten, viel mehr aber danach und bis heute - wohl das dichteste Gespinst an Gerüchten und Spekulationen gerankt hat, die sich auf vielerlei Aspekte seines Lebens beziehen.Gesundheitszustand
Sein Gesundheitszustand war der offizielle Grund für die Absetzung König Ludwig II. Aufgrund des Gutachtens von Professor Bernhard von Gudden und weiteren Ärzten war er für seelengestört und unheilbar erklärt worden, allerdings war dieses Urteil ausschließlich auf Zeugenaussagen hin und ohne persönliche Untersuchung des Patienten gefällt worden. Aussagen zu Ludwigs Gunsten wurden nicht berücksichtigt, obwohl die Aussagen vieler Menschen aus seiner Umgebung trotz seiner Eigenwilligkeit keineswegs auf Unzurechnungsfähigkeit schliessen lassen. Die Geistesstörung war der einzige Grund, einen bayerischen Herrscher abzusetzen - auch das könnte eine Rolle bei diesem Urteil gespielt haben. Sowohl die Regierung als auch die Familie Ludwigs konnte das Interesse gehabt haben, den ihnen unangenehmen König abzusetzen.Homosexualität
Es tauchen immer wieder Gerüchte auf, daß Ludwig II. homosexuell gewesen sei. Nach dem derzeitigen Forschungsstand entbehren diese aber jeder belegbaren Grundlage.Tod
Neben der offiziellen Version, dass der Arzt den Regenten an einem Selbstmord-Versuch hindern wollte und dabei selbst zu Tode kam, gibt es auch diverse andere Versionen, zum Teil vom Haus Wittelsbach durch Geheimhaltung von vorhandenen Akten und Dokumenten selbst genährt, die meist auf eine Verschwörung abzielen.Eine der Theorien besagt, daß der königliche Leibfischer Lidl selbst beobachtet haben soll, wie auf den Arzt und den König geschossen wurde und die Leichen erst dann ins Wasser gebracht wurden, um die Tat zu verschleiern. Als Mordmotiv wird dabei Machtgewinn durch Beseitigung des Königs postuliert, also ein echter Staatsstreich, was zu dieser Zeit insbesondere die Armee und die verbliebenen Wittelsbacher begünstigt hätte. Es existieren Berichte, dass von Seiten der beiden entsprechenden Gruppen auch rund 120 Jahre nach dem Tod von Ludwig II. noch immer teils obskure Aktivitäten zwecks Vertuschung des Tatherganges gestartet werden, sobald sich im Zusammenhang mit diesem Ereignis Entwicklungen wie etwa das Auftauchen neuer Erkenntnisse andeuten. Zudem existieren auch heute noch in der Region gewisse Geheimbünde (Guglmänner) und Gruppierungen, die sich als Königstreue bezeichnen.
Eine andere Theorie geht von einem Fluchtversuch des Königs aus, den Dr. von Gudden vereiteln will. Dabei kommen beide im See ums Leben.
Weblinks
- http://www.koenig-ludwig.org
- http://www.verband-der-koenigstreuen.de/
- http://www.schloesser.bayern.de/deutsch/schloss/objekte/li_schl.htm Schloss Linderhof
- http://www.schloesser.bayern.de/deutsch/schloss/uebers/herrench.htm Herrenchiemsee
- http://www.ludwigmusical.de
- Augenzeugenbericht: Die Verhaftung der Staatsputscher
- König Ludwig II.- ein ewig Rätsel, u.a. mit dem allerletzten Brief Ludwigs an die Mutter vom 1. Juni 1886 sowie seine vielen verehrten Frauen, in Ludwig II.- Forschung aktuell, Dezember 2003