Logik
Charakteristisch für die Regeln der deduktiven Logik – d.h. der Logik im engeren Sinne, im Gegensatz zu einer induktiven "Logik" – ist der Umstand, dass ein Übergang von einer Aussage zu einer anderen salva veritate, das heißt, unter Erhaltung des Wahrheitswertes, möglich ist. Ein logisch gültiger Schluss ist ein solcher, der uns aufgrund seiner logischen Form nicht von wahren Prämissen zu einer falschen Konklusion (Schluss, Urteil) führen kann, also wahrheitserhaltend ist.
Daraus ergibt sich ein geläufiges Verfahren zur Überprüfung der Gültigkeit einer Folgerung, nämlich die Suche nach Gegenbeispielen. Gelingt es zu einem Argument, dessen logische Gültigkeit zweifelhaft ist, ein struktur- oder formgleiches Argument zu finden, dessen Prämissen wahr und dessen Konklusion falsch ist, so ist das Argument (und generell das Schlussschema) zu verwerfen.
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Verschiedene Bedeutungen von "Logik"
In der Geschichte der Philosophie ist oben dargestellte Verwendungsweise des Ausdrucks "Logik" erst seit Beginn des 20. Jahrhunderts üblich. Zuvor wurde der Ausdruck vielfach (etwa bei Georg Wilhelm Friedrich Hegel) eher im Sinne einer allgemeinen Ontologie oder auch Erkenntnistheorie verstanden. Die Logik im modernen Sinne wurde auf der anderen Seite häufig anders bezeichnet, etwa als Analytik, Dialektik oder Logistik. Auch heute noch sind in der Philosophie und den Geisteswissenschaften Wendungen wie Logik der Forschung, Logik der Dichtung u.ä. verbreitet, bei denen unter "Logik" keine Theorie des Folgerns verstanden wird, sondern eine Lehre allgemeiner "Gesetze", die in einem bestimmten Bereich gelten.Insbesondere in der Tradition der "ordinary language philosophy" wurde unter einer "logischen" Analyse vielfach eine Analyse begrifflicher Zusammenhänge verstanden.
In der Umgangssprache werden Ausdrücke wie Logik oder logisches Denken darüber hinaus in einem sehr viel weiteren oder völlig anderen Sinne verstanden und etwa einem "lateralen Denken" gegenübergestellt. Ebenso in der Umgangssprache gibt es den Begriff der "Frauenlogik", "Männerlogik", der "Affektlogik" und den Begriff der "Alltagslogik" (bekannt auch als "gesunder Menschenverstand"). In diesen Bereichen wird die Logik oft als Logik des Handelns, der Pragmatik, angesehen. Ein Argument wird als logisch bezeichnet, wenn dieses stichhaltig, zwingend, überzeugend, einleuchtend und klar ist. In einem logischen Argument soll die Fertigkeit des Denkens und Begründens zum Ausdruck kommen.
Auch in der gegenwärtigen Debatte ist zwar klar, dass die Theorie des korrekten Folgerns den Kern der Logik ausmacht; umstritten ist jedoch, welche Theorien genau noch zur Logik zu rechnen sind und welche nicht. Strittige Fälle sind etwa die Mengentheorie, die Argumentationstheorie (die sich etwa unter pragmatischer Rücksicht mit Fehlschlüssen beschäftigt) und die unten aufgeführten "philosophischen Logiken".
Teilgebiete
Klassische Aussagen- und Prädikatenlogik
Die wichtigsten Teilgebiete der elementaren formalen Logik sind die klassische Aussagen- und Prädikatenlogik. Während in der Aussagenlogik Aussagen (d.h. wahrheitsfähige Sätze) nicht weiter analysiert werden und nur die verschiedenen Junktoren, die Aussagen miteinander verknüpfen, relevant sind, beruht die Prädikatenlogik auf einer genaueren Unterscheidung zwischen verschiedenen Ausdruckskategorien wie Termen, Funktoren, Prädikatoren und Quantoren.Die bis zum 19. Jahrhundert dominante Syllogistik, die auf Aristoteles zurückgeht, lässt sich als ein Vorläufer der Prädikatenlogik verstehen.
Kalkültypen und logische Verfahren
Die moderne formale Logik widmet sich der Aufgabe, exakte Kriterien für die Gültigkeit von Schlüssen und die logische Gültigkeit von Aussagen (Tautologien) zu entwickeln. Hierzu wurden verschiedene Verfahren entwickelt.Insbesondere im Bereich der Aussagenlogik (aber nicht nur) sind semantische Verfahren gebräuchlich, also solche Verfahren, die darauf beruhen, dass den Aussagen ein Wahrheitswert zugeschrieben wird. Hierzu zählen einerseits:
- Wahrheitstabellen
- Resolution,
- Semantische Bäume und
- Beth-Tableaux
- Axiomatische Logikkalküle
- Systeme natürlichen Schließens
- Sequenzenkalküle
- Dialogische Logiken
Ergänzungen und Alternativen zur klassischen Prädikatenlogik
Philosophische Logiken
Die klassische Aussagen- und Prädikaten-Logik kann einerseits modifiziert werden, indem man die Sprache um weitere Operatoren für bestimmte Redebereiche anreichert. So beschäftigt sich die Modallogik mit Ausdrücken wie "notwendig" oder "möglich"; die deontische Logik mit "geboten" oder "erlaubt"; die epistemische Logik mit "wissen" und glauben". Diese Logiken werden häufig als philosophische Logiken bezeichnet.Pragmatische Logiken
In einer wiederum anderen Stellung zur klassischen Prädikaten- und Quantorenlogik stehen pragmatische Logikenen, die sich nicht nur mit apophantischen, also wahrheitsfähigen Aussagen, sondern auch mit anderen Sprechakten wie Aufforderungen oder Fragen beschäftigen. Hierzu zählen die Fragelogik, die sich mit Fragen (häufig als Aufforderung zum Machen einer Behauptung verstanden) beschäftigt, sowie die Imperativlogik, die es mit logischen Relationen, die zwischen Aufforderungen bestehen, zu tun hat.Nicht-klassische Logiken
Intuitionismus, Relevanzlogik und konnexe Logik
Die meistdiskutierten Abweichungen von der klassischen Logik stellen solche Logiken dar, die bestimmte Prinzipien, die in der klassischen Logik gültig sind, problematisieren. Die im engeren Sinne nicht-klassischen Logiken sind „schwächer“ als die klassische Logik.Hierzu gehören der von L. E. J. Brouwer entwickelte logische Intuitionismus, der die allgemeine Gültigkeit des "tertium non datur"
(TND) 
und, daraus folgend, der "duplex-negatio"-Regel
(DN) 
bestreitet, der Minimalkalkül I. Johanssons, in der das "ex falso quodlibet"
(EFQ) 
zurückgewiesen wird, sowie die sich hieran anschließenden Relevanzlogiken, die generell nur solche Implikationen als gültig anerkennen, in denen das Antezedens für das Sukzedens relevant ist. In der Dialogischen Logik und in den Sequenzenkalkülen sind sowohl die Klassischen als auch die nicht-klassischen Logiken durch entsprechende Zusatzregeln ineinander überführbar.
Auf der anderen Seite sind Logiken zu erwähnen, die Prinzipien enthalten, die klassisch nicht gültig sind. So gilt etwa in einer konnexen Logik
- ein Satz, der trotz seiner hohen Plausibiltät keine klassische Tautologie darstellt. Insofern die klassische Logik maximal-konsistent ist, d.h. insofern jede echte Verstärkung eines klassischen Kalküls zu einem Widerspruch führen wurde, könnte dieser Satz nicht etwa einem klassischen Kalkül als weiteres Axiom hinzugefügt werden; vielmehr müsste ein klassischer Kalkül zunächst schwächer gemacht werden.
Mehrwertige und Fuzzy-Logik
Quer hierzu stehen die mehrwertigen Logiken, in denen der aristotelische "Satz vom Ausgeschlossenen Dritten" außer Kraft gesetzt wird, wie die dreiwertige Logik und die unendlichwertige Logik von Jan Łukasiewicz ("Warschauer Schule"), die in der Fuzzy-Logik praktische Anwendung finden, und die endlichwertige Logik von Gotthard Günther ("Günther-Logik"), die auf Probleme der sich selbst erfüllende Voraussagen in der Soziologie angewandt wird.Nichtmonotone Logiken
Klassische Logiken wie Aussagen- und Prädikatenlogik verfügen über die Monotonie-Eigenschaft. Diese besagt im Wesentlichen, dass durch Schlussfolgerungen lediglich neues Wissen gewonnen, nicht aber bereits vorhandenes Wissen revidiert werden kann. Was einmal bewiesen wurde, bleibt in einer monotonen Logik immer gültig, auch dann, wenn man zu einem späteren Zeitpunkt über neue Information verfügt.Nichtmonotone Logiken ermöglichen eine Revidierung gewonnener Erkenntnisse. Haben wir aus den Aussagen "Tux ist ein Vogel" und "Vögel können fliegen" geschlossen, dass Tux fliegen kann, so revidieren wir diesen Schluss, wenn wir die zusätzliche Information "Tux ist ein Pinguin" erhalten. Dies ist freilich nur möglich, wenn wir eine andere Konsequenzoperation verwenden als in einer klassischen Logik. Ein gängiger Ansatz besteht darin, so genannte Defaultss zu verwenden. Ein Default-Schluss ist dann gültig, wenn sich nicht aus einem klassisch-logischen Schluss ein Widerspruch zu ihm ergibt.
Die Schlussfolgerung aus dem gegebenen Beispiel würde dann so aussehen: "Tux ist ein Vogel" bleibt die Voraussetzung (prerequisite). Wir kombinieren diese nun mit einer so genannten Begründung (justification): "Vögel können normalerweise fliegen." Aus dieser Begründung schließen wir, dass Tux fliegen kann, solange nichts dagegen spricht. Die Konsequenz lautet also "Tux kann fliegen." Erhalten wir nun die Informationen "Tux ist ein Pinguin" und "Pinguine können nicht fliegen", so ergibt sich ein Widerspruch. Über den Default-Schluss sind wir zu der Konsequenz gelangt, dass Tux fliegen kann. Mit einer klassisch-logischen Schlussweise aber konnten wir nachweisen, dass Tux nicht fliegen kann. In diesem Fall wird der Default revidiert und die Konsequenz des klassisch-logischen Schlusses weiterverwendet. Dieses - hier grob beschriebene - Verfahren wird auch als Reiter'sche Default-Logik bezeichnet.
Possibilistische Logik
In einer possibilistischen Logik werden klassisch-logische Aussagen mit Möglichkeits- und Notwendigkeitsgraden quantifiziert. Man kann dann possibilistische Resolutionsverfahren verwenden, um aus einer Menge possibilistischer Formeln neue possibilistische Aussagen abzuleiten.Formaler Aufbau eines logischen Systems
Die folgenden Abschnitte beschreiben den formalen Aufbau logischer Systeme. Es wird ein formaler Rahmen geliefert, welcher beliebige Logiken umfasst und so den Vergleich und die Untersuchung der Ausdrucksfähigkeit verschiedener Logiken ermöglicht.Grundkomponenten
-
= Signatur
- For(
)= Menge aller Formeln über der Signatur
- Int(
)= Menge aller Interpretationen über der Signatur
-
= Erfüllungsrelation
Die Signatur Σ
Die mengentheoretische Intuition hinter dem Begriff der Signatur ist eine Menge aus Namen und Begriffen, durch die alle Elemente einer zu repräsentierenden Wissensbasis W formalisiert werden. Genauer gesagt handelt es sich bei den Elementen einer Signatur um Namen, die nach Prädikaten und Funktoren klassifiziert und nach ihrer Stelligkeit differenziert werden.;Aussagenlogische Signatur
Signaturen in der Aussagenlogik enthalten als Elemente nullstellige Namen oder Bezeichner, die auch als Aussagenvariablen bezeichnet werden.
Beispiel: 
;Prädikatenlogische Signatur Signaturen in der Prädikatenlogik 1. Stufe beinhalten null- und mehrstellige Funktoren und Prädikate. Somit kann eine Signatur in der Prädikatenlogik als Tupel betrachtet werden, wobei git:
=(Func, Pred)Mit
- Func = Menge von null- oder mehrstelligen Funktoren nullstellige Funktoren werden als Konstanten bezeichnet
- Pred = Menge von null- oder mehrstelligen Prädikaten