Iwan Maseppa
Er kam als Page an den Hof des Königs Johann Kasimir von Polen nach Warschau. In vertrautem Umgang mit der Gattin eines Magnaten überrascht, wurde er von letzterem 1663 nackt auf den Rücken seines eignen Pferdes gebunden und von diesem, dem man die Freiheit gab, übel zugerichtet. Er wurde nach der Ukraine gebracht, wo er in die Reihen der Kosaken eintrat und bald zum Sekretär und Adjutanten des Hetmans Iwan Samoilowitsch und, als dieser im Juli 1687 seiner Stelle entsetzt worden war, durch einhellige Wahl des Volkes zum Hetman ernannt wurde.
In dieser Stellung befestigte er seine Macht nach außen und innen und schützte die Grenzen gegen die Anfälle der Türken und Tataren. Als Peter I gegen die Türken zog, leistete ihm Maseppa wichtige Dienste. Wiederholt wurde er einer rebellischen Gesinnung gegen Rußland beschuldigt, aber Peter hatte unbegrenztes Zutrauen zu Maseppa. Bald aber kam in Maseppa der Gedanke auf, sich unabhängig zu machen.
Zwar zog er noch 1704 und 1705 im Großen Nordischen Krieg gegen die Schweden und Leszczyńskiss Anhänger; nach dem Frieden von Altranstädt aber erbot er sich dem König Karl XII, zur polnischen Partei überzutreten, wenn ihm schwedischer Schutz zugesagt würde. Als er jedoch sein Heer den Schweden zuführen wollte, brachte er kaum 7000 Mann zusammen (Oktober 1708).
Peter ließ Maseppas Bildnis am Galgen aufhängen; von der Russisch Orthodoxen Kirche wurde er exkommuniziert. Menschikow erstürmte seine bisherige Residenz Baturin und machte dieselbe der Erde gleich. Karl näherte sich indessen Poltawa und zog durch Maseppas Geschicklichkeit im Unterhandeln die Saporogischen Kosaken in sein Interesse.
Maseppa wurde von russischen Truppen im Kampf um die Stadt Baturyn im November 1708 besiegt und traf noch vor der Schlacht von Poltawa 1709 als Flüchtling im schwedischen Lager ein. Damit endete die Selbständigkeit der ukrainischen Kosaken.
Die Schlacht bei Poltawa vernichtete Maseppas letzte Hoffnungen; er entfloh mit dem König nach Bender, wo er 22. September 1709 starb.
Lord Byron hat ihn zum Helden eines seiner schönsten Gedichte, Faddei Bulgarin zum Helden eines Romans, Rudolf von Gottschall zu dem eines Dramas gemacht, Horace Vernet ihn durch zwei Gemälde verherrlicht.